Schlechte Luft am Finkenberg oder „Es kom vo de Krutworscht“


Schlechte Luft am Finkenberg
oder „Es komvo de Krutworscht“

Die folgende Anekdote spielt zu einer Zeit, als ein Einkaufsbummel in Fulda für Leute aus Kleinlüder und den sich anschließenden Dörfern wohl oder übel noch mit einer Tagesreise verbunden war. Wer nämlich kein Fahrrad hatte und direkt zum Bahnhof nach Großenlüder fahren konnte, musste zwangsläufig einen Marsch quer über den unteren Finkenberg – die älteren Mitbürger werden sich noch erinnern – direkt zur Bahnstation Oberbimbach in Kauf nehmen.
So soll eines Tages sich eine ältere Dame aus Kleinlüder schon früh auf den Weg nach Fulda gemacht haben, um dort ihre Einkäufe für das nächste Vierteljahr zu erledigen. Wie es damals üblich war, hatte sie sich ein Frühstück mitgenommen, denn für eine Frau vom „flachen Land“ wäre es undenkbar gewesen, zum Mittagessen ein Restaurant aufzusuchen – von den Unkosten ganz zu schweigen. Also hatte sie sich Brot eingepackt und dazu ihre Lieblingsspeise: Krautwurst. Den Gedanken an die möglicherweise „blähenden“ Konsequenzen ihrer Lieblingswurst hatte sie voller Vorfreude auf den Genuss gar nicht erst aufkommen lassen. Vielmehr hatte sie schon auf dem Weg nach Bimbach ein erstes Mal „genascht“ und später dann in Fulda jede Gelegenheit genutzt, sich schnell mal mit einem „Bissen“ zu belohnen. Kurzum, schon am frühen Nachmittag waren Ihre Vorräte aufgezehrt…
Kaum saß sie im Zug nach Bimbach, verspürte sie ein leichtes Rumoren in der Darmgegend. Bis zur Abfahrt steigerte sich das zu einem mittleren Orkan und sie fing an, die Krautwurst zu verfluchen. Gott sei Dank war die Bahnstation Bimbach bald erreicht. Trotzdem fühlte sie sich „kurz vorm Platzen“. Sie stürzte, ohne nach rechts und links zu schauen, aus dem Zug und hastete los Richtung Finkenberg, bis sie sich endlich sicher glaubte und ihren Darmwinden „freie Fahrt“ erlauben konnte.
Kurz vor der Herrgottseiche brauchte sie eine kleine Pause. Aber was sie hörte, als sie die schweren Einkaufstaschen kurz abgestellt hatte, trieb ihr mit einem Male die Schamesröte ins Gesicht. Schritte – direkt hinter sich. Sie schaute sich um und sah den Pfarrer aus Blankenau zu ihr aufschließen. Total erschrocken entfuhr ihr: „Herr Pfarrer, se wern doch net minne Bumsere gehoart honn!“ Zu ihrem Leidwesen gab dieser lachend zu: „Nicht nur diese habe ich unschwer anhören können, liebe Frau, auch das ‚schwere Gewitterʻ am Ortsrand von Oberbimbach.“ „Ach Gott, ach Gott, is mer dos peinlich. Es dot mer leid, äwer dos kemmt halt vo de ville Krutworscht.“ Die Antwort des Pfarrers ließ es ihr erneut geradezu in den Ohren klingeln: „Auch das, liebe Frau, ist mir nicht verborgen geblieben. Schließlich kommt der Wind von vorne.“
(Frei erzählt nach Hubert Rützel: „Hannes, duck dich där woerft“, Hosenfeld 1994, S. 87 f.)

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