Lütterz: „Nackt“ war früher viel „nackter“ als heute


Lütterz: „Nackt“ war früher viel „nackter“ als heute

Als in den 1920er Jahren das Baden in Gottes freier Natur modern wurde, wollten die Lütterzer Mädchen natürlich mit den Jungs des Ortes mithalten. Nur war das für sie gar nicht so einfach in die Praxis umzusetzen. Badeanzüge gab es nämlich in Lütterz bis dahin keine. Und wer in Fulda einen hätte besorgen können, dem fehlte schlichtweg das Geld dazu. Also musste sich die weibliche Jugend etwas einfallen lassen.
An einem warmen Sommerabend sollte ihr Vorhaben schließlich in die Tat umgesetzt werden. Die jungen Damen trafen sich – verabredeterweise – an der Lüder, um sich, weitab von den Jungen, in der „Gillskuitt“ abzukühlen. Natürlich hatten sie ihre Pläne keineswegs geheim halten können, und die jungen Männer des Ortes wollten sich das Schauspiel nicht entgehen lassen. So gut wie hinter jedem Busch, der auch nur im Ansatz genug Deckung bot, lag somit einer auf der Lauer. Das hatte die Damenwelt nicht bedacht.
Die „Badenixen“ fühlten sich gewissermaßen „alleine“ und zogen sie sich bis aufs Hemd aus. Das war für damalige Verhältnisse mehr als gewagt, wenn die üblichen Frauenhemden auch im Prinzip fast knöchellang waren. Aber als sie schließlich ins Wasser stiegen, klebte die Feuchtigkeit die Hemden dermaßen auf die Körper, dass die Frauen sich schon „unbeobachtet“ wie nackt vorkamen. Die Jungs indes trauten ihren Augen nicht. Voller Begeisterung über den gebotenen Anblick, vernachlässigte der eine oder andere seine Deckung, sodass sie bald entdeckt waren. Im Bewusstsein ihrer „Nacktheit“ erstarrten die Mädchen zunächst quasi zu „Salzsäulen“, um im nächsten Moment die Jungmänner mit einem kollektiven Aufschrei, der – gefühlt – bis Bimbach zu hören war, in die Flucht zu schlagen…
(Quelle: Willy Döppner, „Lütterzer Jungfrauen gingen baden“ in: Lorenz Uebelacker, „Lütterz: Dorfchronik und Heimatbuch“, S. 207.)

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