Dr. Marquardt – oder: Aus dem Leben eines Landarztes


Dr. Marquardt – oder: Aus dem Leben eines Landarztes

Als der Ostpreuße August Marquardt (1846 – 1921) in Großenlüder eintraf, um seinen Vorgänger Dr. Brandmann („de Dokder“) zu ersetzen, hätte er sich nie träumen lassen,
dass er sein Leben lang hierbleiben würde. Er hatte in Königsberg und Gießen studiert, sprach mehrere Sprachen, war weltoffen, reiste gerne und interessierte sich für andere Länder. Trotzdem wurde unser Dorf zu seiner Heimat. Dabei war seine Arbeit alles andere als leicht.
Er richtete seine erste Praxis in der Gastwirtschaft Weißmüller (heute Ruhl bzw. „Reuse“) ein, um dort seine Sprechstunde abhalten zu können. Da traf es sich gut, dass seine Gefährtin und spätere Frau (Rosa) ihm aus seiner Heimatstadt Braunsberg nach Großenlüder gefolgt war und ihn in der Praxis sowie in der Betreuung der Kranken unterstützte.
Die Sprechstunde war jedoch nur ein Teil seiner Arbeit. Sein zu betreuendes Gebiet umfasste nämlich die ganze Umgebung mit einem Durchmesser von 25 bis 30 km, sozusagen von Hemmen bis Hauswurz. Das bedeutete, dass er anfangs – es gab ja noch keine Autos – hoch zu Ross unterwegs war. Bei jedem Wetter, selbst bei Eis und Schnee, musste er in den unterschiedlichen Dörfern und Einzelgehöften Krankenbesuche absolvieren oder Kinder zur Welt bringen helfen. Abends gab er dann seine Rezepte in der Großenlüderer Apotheke („Melde“) ab.
Mit seiner Praxis zog er übrigens noch zweimal um (erst zu „Fleischlaehnse“, Fam. Klitsch, heute Raiffeisenbank, dann zu „Dimmels“), bevor er 1890 sein eigenes Haus (Nr. 208, heute „Am Fronhof“) beziehen konnte.
Im fortgeschrittenen Alter legte er sich schließlich einen Jagdwagen zu, um damit seine Schützlinge erreichen zu können. Später ließ er sich kutschieren, zunächst von Josef Klüh („Kremesch Josop“) und danach von Josef Schlitzer („Franz Jeppsee“). Bezeichnend war, dass er, als sich seine Lebenskraft zu Ende neigte, 1919 in Kleinheiligkreuz 73jährig am Bett eines Kranken zusammenbrach. Er übergab die Praxis 1920 schließlich an seinen Schwiegersohn Dr. Karl Hornung (den Vorgänger von Dr. Schmitt), um dann – bereits von Krankheit gezeichnet – seinen wohlverdienten Ruhestand anzutreten.
(Quelle: Ferdinand Klitsch, „Aus dem Leben …“, FZ v. 11.04.1970, Museumsarchiv Großenlüder.)

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