„Die Hühnerjagd am Kölner Hauptbahnhof“


„Die Hühnerjagd am Kölner Hauptbahnhof“

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, als es im Fuldaer Land noch wenig Bautätigkeit gab, aber im Ruhrgebiet einem Maurer schon bis zu 40 Pfennig, im Ofenbau gar 50 Pfennig die Stunde bezahlt wurden, war es klar, dass das „Westfalengängertum“ sich nach wie vor lohnte. Und dennoch war man finanziell nicht „auf Rosen gebettet“. Die Ehefrau musste meist zu Hause die kleine Landwirtschaft versorgen, während ihr Mann in der Fremde Geld zu verdienen hatte. Aber welche Alternative blieb ihnen? Es gab schließlich weder Arbeitslosen- noch Schlechtwettergeld, geschweige denn bezahlten Urlaub.
So zogen viele in der Faschingszeit los und kamen erst wieder im Advent zurück. Natürlich half nicht wenigen der Alkohol, eine solch lange „Durststrecke“ zu überstehen. Ein Spruch aus dieser Zeit bringt dies Augen zwinkernd zum Ausdruck: „Schnaps moss sei, Brot moss jo au sei, es is äwer doch net gaanz so netig.“
In seinem Artikel „Die Hühnerjagd am Kölner Bahnhof“ aus dem Jahr 1967 erinnert Ferdinand Klitsch an eine Heimfahrt nach langen arbeitsreichen Monaten. Es soll so um den Nikolaustag gewesen sein. Maurer aus Großenlüder und Umgebung, beladen mit allerlei Mitbringsel für zu Hause, mussten in Köln in den Zug nach Gießen umsteigen. Im Gedränge hielten sich die Großenlüderer dicht beisammen. Der Schaffner soll schon gerufen haben, „Alles einsteigen! Die blinden Hessen mit den großen Kisten hinten einsteigen!“, als Eugenius Dietrich im Gedränge die Herrschaft über sein Gepäck verlor. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass er beladen war mit einem Holzkoffer und einer Lattenkiste mit zwölf Rassehühnern und dem dazu gehörenden Hahn. Die Lattenkiste fiel zu Boden, sie krachte auseinander, der Strick, der alles zusammenhielt, löste sich und mit einem Male flatterte das Federvieh überall auf dem Bahnsteig herum. Eugenius soll die verdutzten Kölner in seiner Verzweiflung noch auf ‚Lüdesch Platt‘ angebrüllt haben: „Halt mer doch emoa mi Hinner fest!“ – Trotz der aktiven Mithilfe seiner Kumpels waren jedenfalls alle Bemühungen umsonst. Schließlich war der arme Eugenius dazu verdammt, seiner Frau ohne die versprochene Hühnerschar unter die Augen zu treten.

Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
Unterstützen Sie uns bitte bei unserer Arbeit! Alte Fotos und Geschichten sind wichtige Zeitzeugnisse.
Stellen Sie deshalb Ihre alten Bilder zur Verfügung und erzählen Sie uns Ihre Geschichte(n)!
Ihr Eigentum bekommen Sie selbstverständlich wieder wohlbehalten zurück.

Kultur,- Heimat- und Geschichtsverein der Gemeinde Großenlüder e.V.
Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, der wende sich bitte an
Thomas Mohr, Tel. 8544, thmohr@online.de, Michael Michel, Tel. 8848
Helmut Völlinger, Tel. 8293, Andreas Ruhl, Tel 620110, andreasruhl@gmx.net

Oder jeden Montag von 10 bis 12 Uhr im Heimatmuseum, Tel. 9110350