„Zarte“ Hände – oder: Offiziersball im Kaiserhof – Nach den Erinnerungen von Erich Dietrich –
In seiner Kindheit bekam Erich von seinem Vater und auch von seinen Großeltern viele Geschichten aus der „guten, alten Zeit“ erzählt. Leider ist von der folgenden Begebenheit nur noch der Kern überliefert. Es ist nicht einmal bekannt, auf welchen Wegen sie nach „außen“ dringen konnte. Dennoch lohnt es sich, diese Anekdote zu erzählen:
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg pflegten des Öfteren Offiziere der „Königlich Preußischen Armee“ im „Kaiserhof“ (später „Scheiche“, heute „Pappert“) zu übernachten. Anscheinend müssen auch mehrfach Offiziersbälle organisiert worden sein. – Aber was wäre ein Manöverball ohne Damen? Das kam natürlich nicht in Frage. Also wurden junge, unverheiratete Mädchen aus dem Dorf dazu eingeladen. Diese putzten sich, selbstverständlich nach getaner Feldarbeit, heraus und zogen ihre besten Kleider an, um bei den jungen, attraktiven Offizieren Eindruck zu machen. Es waren auch einige richtige Schönheiten darunter, aber es dauerte, bis man miteinander „warm“ wurde. Den Mädchen waren schließlich die Umgangsformen der hohen Militärs genauso fremd wie deren Sprache, bedienten sich die „Damen“ doch normalerweise ausschließlich ihres „Platts“…
Jedenfalls war eines Tages auch eine junge Frau von einem Bauernhof aus der Schlitzer Straße (Name tut nichts zur Sache) eingeladen. Sie hatte den ganzen Tag Runkelrüben rausgemacht und ihre Hände am Abend kaum noch sauber bekommen. Als sie zum ersten Tanz von einem jungen, stattlichen Uniformträger aufgefordert wurde, schoss ihr sofort die Schamesröte in den Kopf. Der Soldat, irritiert von der Rauheit ihrer Hände, wollte nicht direkt nach der Ursache dafür fragen und erhoffte, durch ein Kompliment, mehr Aufschluss darüber zu bekommen. Deswegen flüsterte er ihr zu: „Junge Maid, sie haben wirklich unglaublich zarte Hände.“ Mit der Antwort hatte er indes vorher nicht rechnen können. Die Dame erklärte nämlich stolz: „So senn ich au om gaanze Ranze.“
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