Vom „wilden Hartmann“: Wie der Vater, so der Sohn
Der „wilde Hartmann“ aus der Hintergasse, von Beruf Stellmacher, hatte vier Söhne, allesamt Hünen und ähnliche Haudegen wie ihr Vater. Von Hause aus waren sie noch dazu rauen Umgang gewohnt. Allerdings kommt es fast einem Kuriosum gleich, dass einem der Söhne, „Schlemme“ Peter nämlich, im Jahr 1812 ein ähnliches Schicksal widerfuhr wie wenige Jahre zuvor seinem Erzeuger. Einzig, der anmaßende österreichische Hauptmann war durch einen herrischen französischen Leutnant ersetzt worden. Dank Ferdinand Klitsch ist uns Peters Abenteuer, eine „wahre Begebenheit“, überliefert: Eine auf dem Rückzug befindliche französische Abteilung hatte sich an einem eiskalten Winterabend in Großenlüder einquartiert und in einer kaum noch erträglichen Weise aufgeführt. Als noch in der Nacht ein Leutnant einer anderen Abteilung in Schlitz eine geheime Order überbringen sollte, verlangte man vom Bürgermeister einen Führer. Dieser befahl „Schlemme Peter“, den Auftrag auszuführen, weil der Junge sich am besten in den Wäldern auskannte. Der hochgewachsenen, für seinen Jähzorn bekannte 15 Jährige machte gleich zu Beginn mit der Reitpeitsche des Offiziers Bekanntschaft. Zähneknirschend musste er dennoch, eine Sturmlaterne in der einen Hand, die Zügel des Pferdes in der anderen, den „Staembel“ hinaufstapfen.
Der ungeduldige Franzose indes hörte nicht auf, seinen Führer mit der Peitsche anzutreiben. Nach kurzer Zeit zogen sich blutige Striemen über Rücken, Kopf und Hals des Jungen. Im Waldgebiet „Katzenzahl“, kurz vor dem Sengersberg, war das Maß voll. Peter zerschlug die Lampe an einem Baumstamm und bewarf den Tyrannen und sein Pferd in der Finsternis mit Steinen. Der Leutnant fluchte, schlug wütend mit dem Säbel um sich, schoss ziellos in die Dunkelheit und zur Freude Peters brüllte er vor Schmerz, wenn er getroffen wurde. Später ging er zum Betteln über – in einem kaum verständlichen Sprachenmix, aber der Bursche blieb hart. Im Morgengrauen konnte Peter – innerlich triumphierend – schließlich beobachten, wie der andere sich orientierungslos und kleinlaut auf den Weg machte. Natürlich musste Peter sich jetzt – ähnlich wie sein Vater Jahre zuvor – eine Zeitlang in den Wäldern versteckt halten, bis er sicher sein konnte, dass die Feinde abgezogen waren.
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