Verhängnisvoller mütterlicher Rat – Nach der Zeitzeugen-Recherche von Gerhard Dietrich –
Fritz Schmidt, Jahrgang 1914, aus „Heile-Schmidts“, heute Sankt-Georg-Straße 6, hatte Kaufmann gelernt und war in den ersten Jahren nach der Machtergreifung zu einem umtriebigen jungen Mann herangewachsen. So war es ihm nicht nur gelungen, ein kleines Textilgeschäft zu eröffnen, sondern er hatte der NS-Verwaltung auch die Erlaubnis abgetrotzt, sich ein kleines Auto zuzulegen. Dies war natürlich nur möglich gewesen, weil der sportliche Opel P4 für den Kriegseinsatz nicht zu gebrauchen war und weil er damit den vorderen Vogelsberg mit Textilien versorgen konnte. Somit war er stolzer Automobilbesitzer geworden – und zwar einer der ersten in Großenlüder.
Mit Ausbruch des Krieges wurde er als Untauglicher aber bald zwangsverpflichtet. Zunächst musste er bei der Wehrmachtsverwaltung in Kassel arbeiten, später wurde er in der Produktion der Textilfabrik Mehler in Fulda eingesetzt. Daher konnte er, solange die Straßen noch passierbar waren, seine Verkaufsfahrten nur noch abends oder an Wochenenden unternehmen.
Mit zunehmenden Bombenangriffen konnte er aber bald nicht einmal mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren. Deshalb nutzte er sein Fahrrad. Bei Fliegeralarm flüchtete er – wie viele seiner Kollegen und Kolleginnen – mit seinem Rad zum „Pröbel“ in Neuenberg. Als seine Mutter hörte, dass diese Gegend Tage zuvor ebenfalls bombardiert worden war, gab sie ihm den Rat, doch lieber den Grezzbach-Bunker unter dem Bahnkörper des Fuldaer Güter- und Rangierbahnhofs aufzusuchen. Das sei näher und sicherer.
So kam es, dass Fritz am 27.12.1944 zum ersten und einzigen Mal dort Schutz suchte. Rund tausend Menschen wurden durch Bombenabwürfe auf die Zugänge des Bunkers eingeschlossen. Für 907 von ihnen, unter ihnen Fritz Schmidt, kam jede Hilfe zu spät.
Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
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