Verhängnisvoller Irrtum im „Bruderkrieg“ 1866
Unsere Vorfahren, die alten Kurhessen, hätten sich viel lieber den Bayern als den unbeliebteren Preußen angeschlossen. Aber das lag nicht in ihrer Hand. Wenigstens war Großenlüder von Kampfhandlungen verschont geblieben, wenn auch die sich bekämpfenden Bayern und Preußen mehrfach abwechselnd durch unsere Gemeinde durchgezogen waren.
Allerdings sollte unser Ort einmal haarscharf an einer Katastrophe vorbeischrammen. Und das lag an Heinrich Faust, dem Besitzer des Hauses 117 im Unterland. Als nämlich an einem schönen Sommermorgen eine Schwadron preußischer Ulanen ins Dorf einritt, war das Klappern der Hufe auf dem rauen Pflaster nicht zu überhören. So eilte auch Heinrich an sein Fenster, um sich die flotten Reiter auf ihren wohl gepflegten Pferden und die bunten Fahnen an ihren Lanzen anzusehen. Getäuscht durch die blauen Uniformen hielt er die Reiter für Bayern und, in der Absicht ihnen durch die Beschimpfung der Preußen seine Sympathie zu bekunden, rief er mit lauter Stimme: „Preuß, Preuß, Scheiß-Preuß.“ Was er damit auslöste, traf ihn indes völlig unerwartet. Auf den lauten Befehl eines Offiziers hin schwangen sich zehn Reiter Sporen klingend aus den Sätteln und stürmten mit gezogenen Degen auf sein Haus zu. Seinen Irrtum erkennend, hatten sich doch die vermeintlichen Bayern als Preußen entpuppt, stürzte er nun in wilder Flucht vor den tödlich beleidigten Soldaten durch die Hintertür ins Freie. Während die zornigen Ulanen das Haus nach ihm durchstöberten und dabei mit ihren langen Säbeln in jedes Bett und jede Ecke stachen, gelang es ihm, sich zu einer abgelegenen Scheune durchzuschlagen, ohne dass er erwischt wurde. Die gekränkten Preußen drohten deshalb in ihrer Wut mit der Plünderung des ganzen Dorfes. Dem eiligst herbeigerufenen Bürgermeister gelang es zum Glück dank seines Verhandlungsgeschicks, sie mit der Lieferung von mehreren Schlachtkühen wieder zu beschwichtigen.
(Quelle: F. Klitsch: „Der Bruderkrieg 1866 …“, Archiv Heimatmuseum.)
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