Verhängnisvolle Wette – Frei nach Ferdinand Klitsch –
In Zeiten, als in unserer Gegend Spinnstuben noch weit verbreitet waren, kam diesen in den langen Wintermonaten über die eigentliche Arbeit hinaus eine enorme Bedeutung zu. Sie waren zugleich Begegnungsstätten für Jung und Alt, Treffpunkt der Dorfjugend, ein Ort für gesellschaftliche Spiele und die Bewahrung des Liedgutes. Zudem hatte man immer ein Ohr am aktuellen Dorfgeschehen. Dabei konnte es geschehen, dass man noch lange nach Beendigung des Spinnens zusammenblieb und dabei auch dem Alkohol zusprach. Je näher die Mitternachtsstunde kam, desto eher ließ man sich auf immer gruseligere Geschichten oder gar auf das sogenannte „Tischrücken“ ein.
In einer solchen Stimmung ließ sich eines Nachts ein junges Mädchen in seinem Übermut hinreißen, vor der männlichen Dorfjugend damit zu prahlen, dass es vor nichts Angst hätte. Bald hatte man mit ihr gewettet, dass sie es nicht schaffen würde, das Totenkreuz einer kürzlich Verstorbenen zu holen. Die Warnungen der Alten wurden abgetan, denn ein Rückzieher kam für die junge Frau nicht mehr in Frage. Also machte sie sich, bang ums Herz, auf ihren einsamen Weg. Auf dem Friedhof indes war von ihrer vermeintlichen Verwegenheit nichts mehr übrig. Vor jedem Geräusch zusammenzuckend, schlich sie sich zum Grab, riss das Kreuz aus der frischen Erde und rannte, so schnell sie konnte, zurück zur Spinnstube. Für die Jugendlichen hatte sie zwar ihre Mutprobe bestanden, von den Älteren wurde sie jedoch mit Vorwürfen überhäuft. Von Störung der Friedhofsruhe, Grabschändung und Frevel war da die Rede. Sie wurde gedrängt, das Kreuz sofort wieder zurückzubringen. Schweren Herzens machte sie sich nun auf zu ihrem letzten Friedhofsbesuch.
Am nächsten Morgen fand man sie nämlich – auf dem frischen Grabe liegend. Aus den Spuren ging hervor, dass sie in der Dunkelheit in ihrer Hast das Holzkreuz samt des Saumes ihrer langen Schürze in die Erde gerammt hatte. Von unten her festgehalten, sich „von Totenhand gepackt“ wähnend, hatte sie in ihrem Schrecken der Schlag getroffen.
Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
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