Unser täglich Brot … – Von Josef Erb, Müs („Peile Jopp“) –

Unser täglich Brot … – Von Josef Erb, Müs („Peile Jopp“) –

Wie selbstverständlich gehen wir heute in die Bäckereien und können jederzeit unter einer Vielzahl von Brotsorten auswählen. Das war nicht immer so. Ein Stück Brot war in früheren Zeiten schwer zu verdienen. So gehörten bis vor wenigen Jahrzehnten zu jedem Müser Haus auch landwirtschaftliche Nutzflächen. Es wurden meist Kühe, Schweine und Hühner gehalten. Die Bauernhöfe hatten bis zu zehn Kühe und zwei Pferde, zu den kleineren Anwesen gehörten dagegen maximal zwei bis drei Kühe, die auch als Zugtiere eingesetzt wurden, und ein paar Schweine für die Hausschlachtung. Dazu wurden im Schnitt etwa drei ha Fläche bewirtschaftet. Anwesen, die nur einen großen Hausgarten hatten, zogen sich Ziegen, Gänse und „Stallhasen“ zur Selbstversorgung.
Angebaut wurden Kartoffeln, Runkelrüben, Hafer, Weizen und Korn (Roggen) für die eigene Versorgung. Letzteres war die Grundlage für das tägliche Brot. Abgeerntet wurde es vor der Motorisierung mit der Sense, die Halme dann zu Garben gebunden. – Ein von Pferden oder gar von einem Traktor gezogener Mähbinder stellte ohne Frage schon eine riesige Erleichterung dar. – Gleichwohl mussten die Garben zum Trocknen zusammengestellt werden, bevor sie mit dem Leiterwagen zur Scheune geschafft werden konnten. Dort galt es schließlich, sie mit Dreschflegeln per Hand auszudreschen.
Ab 1939 gab es in Müs eine Dreschmaschine, die mit einer „Lanz-Bulldog“ von Hof zu Hof gezogen wurde und das Getreide ausdrosch. – Welch ein Fortschritt! Die Kinder sahen staunend zu, wenn die Dreschmaschine von der Lanz durchs Dorf gezogen wurde. Sie tat ihren Dienst bis Mitte der 60er Jahre, als die Mähdrescher Einzug hielten. Die Lanz steht übrigens heute noch im Dorf und hat in ihren 86 Jahren Müs nie verlassen, die gute, alte Dreschmaschine aber wurde an ein Museum verkauft.
Das Dreschen auf dem Hof war für alle eine schwere und staubige Arbeit, kein Wunder also, dass es sich irgendwann eingebürgert hatte, abends, nach getaner Arbeit, ein paar Krug Bier aus der Wirtschaft zu holen, um den Staub hinunterzuspülen…
Aber die Technisierung ging weiter: Um 1980 gab es in Müs bereits acht Mähdrescher. Heute wiederum kann eine einzige moderne Maschine die gleiche Flächenleistung (und mehr) schaffen wie diese acht zusammen. Das ausgedroschene Korn wurde in Säcken auf den Boden getragen und ausgeleert. Für das eigene Brot brachte man nach und nach bis zu zwei Zentner Korn zum Müller. Wir hatten zwei Mühlen in Müs, die über 400 Jahre lang für das Mehl sorgten: die Dorfmühle (in Betrieb bis 1980) und die Grünmühle (bis 1965). Aus einem Zentner Korn gab es Mehl für 33 Laib Brot (4 Pfünder/2 kg). Der Müller bekam seinen Mahllohn und brachte das Mehl zum Bäcker. Davon gab es ebenfalls zwei in Müs, die Bäckerei Herbert und den Bäcker Göbel, der das Gemeindebackhaus am Burghof betrieb. Dort wurde die Mehllieferung dem jeweiligen Haushalt in einem
„Brotbüchlein“ gutgeschrieben, und so konnte man quasi mit Bezahlung des Backlohnes Brot vom eigenen Mehl holen.
Im Backhaus backte Göbels August bis 1970 nur Brot, allenfalls mal ein paar Roggenbrötchen. Bäcker Herbert hatte damals schon eine größere Auswahl, aber mit dem heutigen Sortiment keineswegs zu vergleichen.
In unserer Großgemeinde gab es seinerzeit bis zu 15 Mühlen – alleine in Uffhausen schon vier – und sieben Bäcker, dazu noch mehrere Backhäuser. Heute ist von den Mühlen nur noch die Erlenmühle in Kleinlüder in Betrieb. Sie versorgt die Region und darüber hinaus mit Mehl und Erzeugnissen aus dem Mühlenladen. Ansonsten drehen sich noch ein paar Mühlräder, aber nur zur Stromerzeugung. Von den Bäckern gibt es in der Gemeinde nur noch die Bäckerei Herbert in Müs und mittlerweile zudem mehrere Hofläden, die selbst gebackenes Brot anbieten.

Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
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