Überraschung beim Militär


Überraschung beim Militär


In der guten alten (kurhessischen) Zeit lebte einst in Bimbach ein Hütejunge, Hannes genannt, von dem man sich im Dorf erzählte, dass er es an Intelligenz kaum mit den ihm anvertrauten Rindviechern aufnehmen konnte. Angeblich soll man es ihm auch angesehen haben. Aber wo sollte es auch herkommen?
Einen Vater hatte er nie gekannt, und seine Mutter, eine einfache Stallmagd, hatte sich kaum um ihn gekümmert. Die Schule hatte er nicht besucht. Dazu noch der fast ausschließliche Umgang mit seinen Viechern. Durch seine Tätigkeit hatte er nämlich nur selten Kontakt zu seinen Mitmenschen. Aber wenigstens war er ehrlich und zuverlässig. Darin war man sich zumindest einig…
Dieser besagte Junge wurde nun eines Tages durch seine Einberufung zum Militär aus seiner dörflichen Umgebung herausgerissen. Mit ihm völlig unbekannten jungen Männern fand er sich plötzlich auf dem Kasernenhof wieder und bestaunte mit großen Augen eine Welt, die er bis dahin nicht gekannt hatte. Kein Wunder also, dass Hannes dem Hauptmann sofort auffiel, als dieser, kritisch musternd, die Front seiner angetretenen Soldaten abschritt. Er blieb vor Hannes stehen und tat, was er mit Blick auf seine Autorität besser nicht getan hätte. Er sprach den Jungen auf väterliche Art und Weise an: „Wo kommst du denn her, mein Sohn?“ – „Vo de Reeme!“ – „Ja, wo ist denn ‚de Reeme‘, mein Sohn?“ – „Ei, ich senn vo Bimmich“, war da die prompte Erklärung. Aber jetzt kam mit einem Mal Leben in den jungen Rekruten, war er doch von dem Offizier gleich zweimal mit „mein Sohn“ angesprochen worden. Deshalb musste Hannes, freudig überrascht, sofort nachhaken: „Jo, bist du da min Vodder? Jonge, Jonge, mi Modder söcht dich scho ball zwanzig Joahr!“
(Quelle: Lorenz Uebelacker, „Der entdeckte Vater“ in: Lorenz Uebelacker, „Bimbach: Dorfchronik und Heimatbuch“)

Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
Unterstützen Sie uns bitte bei unserer Arbeit! Alte Fotos und Geschichten sind wichtige Zeitzeugnisse.
Stellen Sie deshalb Ihre alten Bilder zur Verfügung und erzählen Sie uns Ihre Geschichte(n)!
Ihr Eigentum bekommen Sie selbstverständlich wieder wohlbehalten zurück.

Kultur,- Heimat- und Geschichtsverein der Gemeinde Großenlüder e.V.
Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, der wende sich bitte an
Thomas Mohr, Tel. 8544, thmohr@online.de, Michael Michel, Tel. 8848
Andreas Ruhl, Tel 620110, andreasruhl@gmx.net

Oder jeden Montag von 10 bis 12 Uhr im Heimatmuseum, Tel. 9110350