Ton – ein wertvoller Baustoff
Die Herstellung von Tonziegeln und Ziegelsteinen hat in unserer Gemeinde eine lange Geschichte. So wird laut Helmut Völlinger bereits 1686 ein Ziegler erwähnt. Fest steht, dass über eine enorme Zeitspanne hinweg Ziegelsteine im sogenannten „Feldbrandverfahren“ hergestellt wurden. Auf diese Weise brannte man beispielsweise am Zabershof auch Dachziegeln. Dabei wurde der eingeweichte Ton mit bloßen Füßen zu Brei getreten. Nach dem Formen der Steine wurden diese an der Luft getrocknet, um danach mit Unmengen von Brennholz gebrannt zu werden. Leider fiel eine Menge an Ausschuss an, weil man es nicht schaffte, alle Steine vom Feuer gleichmäßig zu erreichen.
Als die vier Gesellschafter Adam Möller, Valentin Hasenau, Damian Köhl und Cornelius Schlitzer im Jahr 1906 die Ziegelei gründeten, war das der Startschuss für eine professionellere Ziegelsteinherstellung. Ein großes Tonvorkommen und die Bahnhofsnähe stellten günstige Voraussetzungen für den Betrieb dar. Wenn der Lehm auch anfangs noch mit Hacke und Spaten abgebaut wurde, besaß man doch schon ein Knetwerk und einen Ringofen, der für gleichmäßiges Brennen sorgte. Dennoch kam der Absatz nicht sofort so in Schwung, wie man sich das erhofft hatte. Ob das an der Konkurrenz (z. B. in Eichenau) lag oder etwa an der kaufmännischen Leitung, lässt sich heute nicht mehr feststellen.
Später hinterließen Kriege, Weltwirtschaftskrise und Inflation ihre Spuren. Mehrfach wechselten die Besitzer. Allen gemeinsam war das Bestreben, den Betrieb zu modernisieren und die Produktion zu steigern. Als Adam Josef Brähler im Jahr 1948 die Ziegelei an seinen Schwiegersohn Karl Diegelmann übergab, sorgte dieser für eine Automatisierung des Produktionsprozesses. Er erreichte so bis 1953 eine Verdreifachung der Produktion bei gleichzeitigem Personalabbau. Trotzdem zeigte es sich, dass auf Dauer nicht mehr konkurrenzfähig zu produzieren war. Wegen Unwirtschaftlichkeit musste der Betrieb 1965 eingestellt werden.
(Quellen: Helmut Völlinger, „Wirtschaft im Wandel der Zeit“ in: „1200 Jahre Großenlüder“, S. 362 ff.; Paul Klitsch, „In meinen Kindertagen“, o. D., Museumsarchiv.)
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