Tanzschule im Kaiserhof – Nach den Erinnerungen von Manfred Janisch –
Ich hatte 1947 mein 17. Lebensjahr erreicht, wohnte mit meinen Eltern bei der Fam. Seuring in Uffhausen. Meine Schwester wollte mir etwas besonders Gutes tun und bot mir einen Tanzkurs – mit Kostenübernahme – an, was ich schließlich auch ohne große Begeisterung annahm. Zum ersten Termin im Saale des „Kaiserhof“( Gastwirtschaft Ida Gutermuth) war ich etwas aufgeregt, aber auch neugierig.
Ich war überrascht, dass sich so viele Interessenten angemeldet haben, stellte aber sofort fest, daß die weiblichen Teilnehmer in Überzahl waren. Nach der Begrüßung wurde zunächst die Platzordnung geregelt: Mädchen auf der linken Seite, Jungen auf der rechten Seite, schön geordnet und auf Sichtweite zu den Tanzpartnern! Auf die Höflichkeisform wurde besonderer Wert gelegt und dies war Hauptbestandteil der ersten Unterrichtsstunde.
Dann kam die Aufforderung zum Tanz: Das Bürschchen musste eine Partnerin im Blick haben, leichtfüßig auf das Ziel seiner Wünsche zusteuernd, in respektabler Entfernung mit Augenkontakt bei einer tiefen Verbeugung und freundlichem Lächeln den Wunsch seines Verlangens übermitteln. Nach der Zustimmung wurde der Tanzpartnerin der Arm angeboten und gemeinsam begann das Abenteuer.
Die Mädchen amüsierten sich über die Tollpatschigkeit vieler junger Bewerber. Auch ich hatte beim ersten Test weiche Knie. Ein noch größeres Problem machte mir zu schaffen! Die mit Stahlzwecken beschlagenen Schuhe waren zum Tanz total ungeeignet! Meine Schwester war wieder einmal die Rettung. Ich bekam schwarze Halbschuhe mit glatter Sohle.
Beim ersten praktischen Tanzunterricht wurden wir mit dem klassischen Walzer vertraut gemacht. Die passende Musik hörten wir aus dem Plattenspieler der Kursleiterin. Der Wechselschritt war nicht so einfach und manchmal auch schmerzhaft, speziell für die Partnerin, wenn man ihr ungeschickt auf den Fuß trat! Im zweiten Teil kam der „Rheinländer“ dran. Zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück und dann Drehung. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen! Der „Langsame Walzer“, auch „English Waltz“ genannt, war schon eher mein Fall. Bei „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ kam schon so etwas wie ein Glücksgefühl auf, zumal diese Tanzart leicht zu erlernen war und der enge Kontakt zur Partnerin großen Spaß machte. Auch Tango wurde probiert und einige lateinamerikanische Stücke kamen an die Reihe.
Wie der Tanzkurs endete oder ob es einen Abschlussball gab, ist leider total in Vergessenheit geraten. Wahrscheinlich musste ich den Kurs abbrechen. Vielleicht kann mir ein/e Partner/in von damals helfen ?
Was mir jedoch noch in Erinnerung ist, sind die nach Beendigung der Tanzstunde und zum Höflichkeitsformat gehörenden „Heimfuhren“ . (Die Partnerin, mit der man bei Unterrichtsende die letzte Tour getanzt hatte, durfte nämlich beschützend nachhause begleitet werden.)
Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
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