Schulmeister, „Alleskönner“ mit schlechtem Ansehen

Schulmeister, „Alleskönner“ mit schlechtem Ansehen

Die Schulmeister des 17., 18. und 19. Jahrhunderts waren, wie berichtet, der Not geschuldete Alleskönner. Ob ihrer schlechten Bezahlung blieb ihnen nichts Anderes übrig, als sich auch als Küster, Kantor, Organist oder Tanzmusiker zu verdingen. Meist mussten sie auch noch als Landwirt und Handwerker arbeiten, um ihre Familien zu versorgen. Denkt man zudem an ihre Bildung, sollte man annehmen, dass sie im Dorf anerkannt gewesen wären. Aber weit gefehlt. Oft bestand eine große soziale Distanz zu ihren bildungsfernen Mitbürgern. Zudem waren die meist schlecht ausgebildeten Lehrer häufig überfordert und versuchten deshalb, sich – wie damals üblich – mit Prügeln Respekt zu verschaffen, was ihrem Ruf obendrein abträglich war. Das im Folgenden zitierte Lied (rechtschriftlich angepasst) beschreibt zutreffend die Häme und Missgunst, Häme und Missgunst, die ihnen entgegengebracht wurde:


Das Lied vom Dorfschulmeisterlein

Des Sonntags ist er Organist, des Montags fährt er seinen Mist,
des Dienstags hütet er die Schwein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Des Mittwochs fährt er in die Stadt und kauft, was er zu kaufen hat,
´nen halben Hering kauft er ein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Des Donnerstags geht er in die Schul und legt die Buben übern Stuhl,
er haut so lange, bis sie schrein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Und wenn im Dorfe Hochzeit ist, dann könnt ihr sehen, wie er frisst.
Was er nicht frisst, das packt er ein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Und wird im Dorf ein Kind getauft, dann könnt ihr sehen, wie er sauft,
elf Halbe schüttet er sich ein, das arme Dorfschulmeisterlein.
Und wird im Dorf ein Schwein geschlacht, dann könnt ihr sehen, wie er lacht,
die größte Wurst ist ihm zu klein, dem armen Dorfschulmeisterlein.

Quelle: Albert Kohlmann: „Die Schule“, Sammlung Hosenfeld, Archiv Heimatmuseum.)

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