„Polizaei-Adem“ ruft den Ersten Weltkrieg aus
Am Nachmittag des 1. August 1914, einem Samstag, war alles anders. Gemessenen Schrittes, aber feierlicher als sonst, begab sich „Adem“ auf seine schwierige Mission. Sein trotz des schwarzen Vollbartes freundliches Gesicht war heute ernst und verschlossen. Seinen Dienstanzug hatte er getauscht gegen eine schwarze Hose mit dunkelblauer Uniformjacke und ebensolcher Mütze. Jeder, der ihn sah, wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. –
Die Ermordung des österreichisch- ungarischen Thronfolgers am 28.06.1914 in Sarajewo war ungesühnt geblieben und sollte jetzt als Anlass herhalten für eine, von den Mächtigen längst vorbereitete, schicksalsschwere Entscheidung. Zwischen „Christe und Stuweraks“, heute etwa gegenüber von „Sauer Augenoptik“, stellte „Adem“ sich in „Positur“. Nach dem letzten Klang der Ortsschelle ließ er, von besorgten Menschen umlagert, seine wohlbekannte Stimme erschallen: „… befiehlt Seiner Majestät, Wilhelm II., von Gottes Gnaden Kaiser des Deutschen Reiches, für den heutigen Tag die Mobilmachung der gesamten deutschen Armee und der Marine. Der erste Mobilmachungstag ist Sonntag, der 2. August, … der dritte am Dienstag, dem 4. August. Allen Einberufungen ist sofort Folge zu leisten.“ Und mit den Worten „Das ist der schwerste Ausschelltag meines Lebens“ verließ „Adem“ die betroffene Stille, die seine Verlautbarung hervorgerufen hatte, um sich zur nächsten Ausschellstelle zu begeben…
Später luden die Glocken der Pfarrkirche zu einer kurzen Bittandacht ein. Danach trafen sich die wehrfähigen Männer am „Gäekplatz“ (Marktplatz). Man tauschte sich aus, machte sich gegenseitig Mut, die üblichen Lieder wurden gesungen.
Die in Deutschland weit verbreitete Kriegsbegeisterung konnte sich indes nicht bei jedem einstellen. Böse Vorahnungen und sorgenvolle Gedanken raubten nicht wenigen den Schlaf. Jeder weiß heute, dass der blutige und sinnlose Krieg die Welt ins Unglück stürzen sollte. So hatte der Ortsteil Großenlüder alleine (ca. 1500 Einwohner) 78 Gefallene zu beklagen…
(Quelle: F. Klitsch: „Originale aus dem Fuldaer Land…“, 15.10.65, Archiv Heimatmuseum.)
Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
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