Pläne rund um das Großenlüderer Bitterwasser (2) – Nach der Recherche von Gerhard Dietrich –


Pläne rund um das Großenlüderer Bitterwasser (2)
– Nach der Recherche von Gerhard Dietrich –

Da Großenlüder es verschlafen hatte, sich selbst rechtzeitig um die Vermarktung seines Bitterwassers zu kümmern bzw. sich um die Entwicklung hin zu einem Kurbad zu bemühen, mussten seine Bürger zusehen, wie „ihr“ Heilwasser von der Schlirfer Bade-AG vermarktet wurde. Dabei hätte es sogar noch schlimmer kommen können. In Fulda hatte es nämlich schon in den 1870er Jahren Pläne für die Errichtung eines Kurbades gegeben. Allein es fehlten die Heilquellen.
Um die Jahrhundertwende herum griff nun der Direktor der Aktien-Gesellschaft Bad Salzschlirf diese Idee wieder auf und stieß damit in Fulda auf offene Ohren. Als „Besitzer“ des Großenlüderer Bitterwassers schlug er vor, dieses über alle Zweifel erhabene Heilwasser per Rohrleitung nach Fulda zu pumpen, um die Stadt so an die fehlende Heilquelle anzuschließen. Für die täglich benötigte Menge sei lediglich eine Pumpstation nötig. Mit der Orangerie, dem großen Schlosspark und der tollen Umgebung habe Fulda beste Voraussetzungen, eine hervorragende Bäderstadt zu werden. Man könne jährlich mit Tausenden von Kurgästen rechnen. Kosten und Gewinne würden sich die Aktiengesellschaft und die Stadt Fulda teilen.
Großenlüder wäre demnach also wieder leer ausgegangen. – Woran das Vorhaben letztlich scheiterte, bleibt aus unserer Sicht irrelevant. Vielmehr gilt es zu fragen, warum Großenlüder nicht in der Lage gewesen war, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Als Kurbad hätte man aus heutiger Perspektive die Geschichte des Dorfes sicher neu schreiben müssen. Viele Bürger hätten sich von einer solchen Entwicklung wohl wirtschaftlichen Aufschwung versprochen. Die den Gemeinderat dominierenden Bauern indes waren skeptisch. Sie befürchteten, dass sie in einem Kurbad ihre Knechte und Mägde nicht mehr würden bezahlen können. Ob man aber der von Nau erwähnten Geschichte Glauben schenken mag, nach der unsere Delegation 1850 in Kassel zur Versteigerung der Bitterwasserquelle wegen einer zu langen Brotzeit – mit etlichen Klaren – zu spät gekommen sein soll, sei dahingestellt.
(Vgl. „Fulda, das deutsche Marienbad“, Fuld. Kreisblatt Nr. 120, 13.10.1900; O. Nau, „Generalplan der ehemaligen Saline zu Großenlüder 1775“, 25.08.2013.)

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