Kloster auf dem Finkenberg

Kloster auf dem Finkenberg

Bis weit in die 1970er Jahre hinein wussten in Kleinlüder noch viele ältere Mitbürger von einem Benediktinerkloster auf dem Finkenberg zu erzählen. Es soll in „altersgrauer Zeit“ in einem Geviert unweit des Nikolausbrunnens gestanden haben. Heute gibt es davon kaum noch Spuren zu finden. Selbst der Gedenkstein, der an das Kloster erinnern sollte, ist verschwunden.
Laut Überlieferung lebte dort vor rund 900 Jahren ein junger Mönch namens Urbanus, seines Zeichens Bibliothekar des Klosters. Er soll sehr belesen gewesen sein. Irgendwann stieß er auf folgenden Spruch des Hl. Petrus: „Tausend Jahre vor Gott, dem Herrn, sind wie ein Tag. Gott und Ewigkeit, ohne Zeit und ohne Raum.“ Urbanus vertiefte sich dermaßen in diesen Spruch, dass er tatsächlich um sich herum Raum und Zeit vergaß. Eines Tages verließ er nach durchwachter Nacht das Kloster und ließ sich von einem kleinen Vögelchen, das er hatte füttern wollen, in den Urwald hineinlocken. Der Gesang des Vögelchens verzauberte ihn auf eine Weise, wie er es noch nie erlebt hatte. Als er schließlich befürchtete, das mitternächtliche Chorgebet zu verpassen, riss er sich los und eilte zurück. Dort angekommen, mutete ihn das Kloster irgendwie fremd an. Alles erschien neuer und größer als zuvor. Schlimmer noch, kein einziger Mitbruder war ihm noch bekannt. Vielmehr beäugten ihn alle wie einen Geist, einige fürchteten und bekreuzigten sich gar. Mit Hilfe des Schlüssels zum Büchersaal konnte Urbanus jedoch beweisen, dass er zum Kloster gehörte.
In einer Chronik entdeckten die staunenden Mönche zudem, dass vor genau 300 Jahren ein junger Bibliothekar spurlos verschwunden war. Mit einem Male wurde Urbanus sich seines zerschlissenen Gewandes und seines langen, weißen Bartes bewusst. Allmählich begriff er, dass sein Ende gekommen war. Er wankte, ließ sich Sitz und Stab bringen und verlangte die Sterbesakramente. Die Hände gen Himmel gestreckt, waren Urbanus‘ letzte Worte: „Mir geschah, wie ich geglaubt, Gott – Ewigkeit, ohne Zeit und Raum.“
(Quelle: Ferdinand Klitsch: „Der Klosterkopf auf dem Finkenberg“, 26.05.1975, Archiv Heimatmuseum.)

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