Hochzeitsbräuche: Traditionelle Speisen und Getränke


Hochzeitsbräuche: Traditionelle Speisen und Getränke

Aus der Zeit vor 1900 weiß man nicht mehr allzu viel. Fest steht, dass es als Hochzeitsessen oft die hessische Spezialität „Aerwesekrut“ gab, natürlich ordentlich „geschmälzt“ – mit viel Rauchfleisch. Zum Nachtisch wurde meist Hirsebrei mit gedörrten Zwetschgen („Quaetsche“) gereicht. Wer es sich leisten konnte, verwöhnte seine Gäste mit Bohnenkaffee (80 Pfennige das Pfund!).
Von der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg gibt es schon deutlich mehr zu berichten: Direkt nach der Trauung kam bereits der Schnaps ins Spiel, denn durch vielfaches „Hemmen“ sollte dem Bräutigam das Heimführen der Braut erschwert werden. Mit Kleingeld, vor allem aber mit Hochprozentigem, konnte er sich „freikaufen.“ Zu Hause gab es einen kleinen Imbiss, um die Zeit bis zum Mittagessen zu überbrücken. Letzteres wurde traditionell eröffnet mit „Wäegbreh“, Meerrettich und gekochtem Rindfleisch nebst Preiselbeeren. Der Hauptgang bestand üblicherweise aus Braten mit Soße, Gemüse und Salat. Zum Nachtisch gab es Pudding, reichlich Bier und „gaale Noedhieser“. Nach dem Kaffee wurden Wein und Plätzchen serviert – bis das üppige Abendessen aufgefahren wurde. Aber damit keineswegs genug. Geschlossen zog man zum nächsten Wirtssaal, um dort mit Musik, Tanz und Unmengen von Alkohol häufig bis zum nächsten Morgen zu feiern.
Folgende Anekdötchen beschreiben den Zeitgeist dieser Jahrzehnte vielleicht ganz gut:
Einmal hatte sich eine ältere Dame ihr „Schaelee Kaafee“ mit ordentlich Zucker versüßt, mit dem Finger fleißig umgerührt, um ihn dann genüsslich abzulecken. Dabei sagte sie großzügig zu ihrem Tischnachbarn: „Dos is äwer good, wäesde emo mitdrenk?“
Ein andermal versuchte eine Mutter, peinlich berührt vom Appetit ihres Sohnes, ihren Sprössling durch „wohlgemeinte Fußtritte“ vom Weiteressen abzuhalten. Der Kleine kämpfte indes unbeirrt die nächsten Portionen in sich hinein, bis er erschöpft die Gabel beiseitelegte und erklärte: „Etz konn ich wäellich nischt meh geäeß, Modder, on bannde mich zertrettst.“
(Quelle: F. Klitsch: „Alte Großenlüderer Hochzeitsbräuche, 17.12.65, Archiv Heimatmuseum.)

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