Das Leben ist ungerecht – oder: Himbeerbonbons nach dem Hochamt – Nach den Erinnerungen von Karl Wahl –
Kurz nach dem Krieg waren die Lebensmittelgeschäfte in Bimbach rar. Anfangs gab es nur „Schöppners“ und „Weißhans“, ein kleines Lädchen in der Burgstraße ganz in der Nähe der Kirche. Für Letztere bot es sich geradezu an, das Lädchen sonntags nach dem Hochamt zu öffnen, um den Kirchgängern, die oftmals einen weiten Fußweg hatten (schließlich kamen einige bis aus Lütterz), den Einkauf zu ermöglichen. – Den Großteil des kleinen Verkaufsraumes nahm übrigens die Ladentheke ein, neben der ein Holzfass mit eingelegten Salzheringen stand. Somit blieb im Lädchen gerademal Platz für ein bis zwei Kunden. Von riesigem Interesse für die Kinder war jedoch ein großes Glas mit Himbeerbonbons mitten auf der Theke. Jedes Kind bekam nämlich beim Einkauf ein Papiertütchen voll mit den klebrigen roten Zuckersteinen. Die Aussicht auf den süßen Genuss ließ natürlich die meisten Kinder gerne in die Kirche gehen, wenn sie denn danach nur auch einkaufen gehen durften.
Karl musste damals seine kleine Schwester regelmäßig mit in die Kirche nehmen. Die Kleine war ganz vernarrt in die Bonbons und ging deswegen liebend gerne mit. Leider bildete sich nach dem Amt vor dem Geschäft schnell eine lange Schlange und die Kinder mussten sich wohl oder übel anstellen. Also war Geduld gefragt. Genau das, was die Vierjährige nicht hatte. Deswegen quengelte sie schon nach wenigen Minuten und Karl sah sich gemüßigt, sie auch noch abzulenken. Zu allem Überdruss hatten sie zudem eine sehr beleibte alte Dame vor sich, an der man weder vorbeikam noch vorbeischauen konnte. Kurz bevor die Dame an die Reihe kam, war die Geduld des Mädchens jedoch am Ende. Ehe der große Bruder es verhindern konnte, hatte sie der Frau dermaßen in den Po gekniffen, dass diese vor Schreck zur Seite zuckte. Die Schwester bekam so die Gelegenheit, sich vorbei zu schlängeln und befand sich im nächsten Moment vor der Theke, um überglücklich ihr Tütchen in Empfang zu nehmen. Die korpulente Dame indes drehte sich mit einem Male um und gab dem nächstbesten, in diesem Falle Karl, eine schallende Ohrfeige…
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