Gründonnerstag 45: Einnahme der einzelnen Ortsteile


Gründonnerstag 45: Einnahme der einzelnen Ortsteile

Abzug der Wehrmacht
Grundsätzlich gilt für alle 0rtsteile gleichermaßen, dass von der Wehrmacht alles auf den letzten Drücker noch fortgeschafft wurde, was nur im Entferntesten für sie noch von Wert war. Was nicht abzutransportieren war oder vom Feind hätte genutzt werden können, wurde zerstört. Zugleich sollten die Lüderbrücken von Kleinlüder bis Lütterz zerstört werden, um den Feind aufzuhalten. Zum Glück gelang es kurz vor Ankunft der Amerikaner, den Militärs diese Vorhaben auszureden (z. T. berichteten wir schon darüber). Zudem hatte z. B. Bürgermeister Brähler den Auftrag, alle Zufahrtsstraßen einschließlich der Feldwege durch Baumstämme zu blockieren und Sprengschächte vorzubereiten, die den Amerikanern hätten Schaden zufügen sollen. Angesichts chaotischer Zustände, der fehlenden Arbeitskräfte und der immer offensichtlicher werdenden Überlegenheit der anrückenden Großmacht, kam dies alles nicht mehr zustande. Gleichwohl zogen bis kurz vor Eintreffen der „Amis“ noch Truppenteile und versprengte Soldaten durch oder flüchteten in die Wälder. So berichtet auch der Müser Helmut Gerk, dass selbst am Gründonnerstag um die Mittagszeit noch Wehrmachtssoldaten in der Stube seiner Großmutter saßen.
Eichenau, Müs, Kleinlüder und Uffhausen
In den drei erstgenannten Ortsteilen trafen amerikanische Verbände etwa zur gleichen Zeit ein. Durch Eichenau zogen die fremden Truppen einigermaßen „glatt“ durch und bauten im Eichenauer Feld Stellungen auf, von denen aus man Fulda unter Feuer nehmen und im Bedarfsfall Großenlüder hätte beschießen können. Kurz vor Müs gab es dagegen einen ernsten Zwischenfall. In der Gemarkung „Auehecken“ wurde ein amerikanischer Panzer aus dem Wald heraus abgeschossen und ein anderer beschädigt. Daraufhin setzten die Amerikaner mit Panzergranaten drei Anwesen in Brand. Und wahrscheinlich war es nur dem beherzten Einschreiten von mutigen Männern mit weißen Tüchern zu verdanken, dass kein größerer Schaden entstand – etwa wie in Hainzell (wo fast jedes zweite Gehöft brannte). Jedenfalls konnte Müs ohne weiteren Widerstand übergeben und so doch weitgehend verschont werden.
In Kleinlüder stand die Vogelsbergstraße voller verlassener Militärfahrzeuge, die Soldaten waren Richtung Finkenberg geflüchtet, verängstigte Frauen mit ihren Kindern ebenfalls. Viele Bewohner harrten aber in ihren Kellern ob der Dinge, die da kommen würden. Nach dem Beschuss von Hainzell wurde auch Kleinlüder von der Kreisstraße aus sofort unter Feuer genommen. In vier Bauerhöfen brannte es, bevor Bürgermeister Weismüller und Ferdinand Reinhard, ausgestattet mit weißer Fahne, den Ort übergeben konnten und so Schlimmeres verhinderten. Als Richtung Uffhausen ein deutscher Panzer vom Finkenhof das Feuer eröffnete, wurde auch dieses Anwesen mit Phosphorgranaten in Brand geschossen. Auf Höhe der Windseßmühle wurden die Schubmühle und das Anwesen von Himmelmanns beschossen – aber ohne größeren Schaden. Als erster trat ihnen Adalbert Himmelmann entgegen und machte ihnen per Gesten klar, dass keine Gefahr durch deutsches Militär (die letzten waren erst kurz zuvor aus seinem Haus geflohen) drohe. Von da an gab es im Ort keine nennenswerten Zwischenfälle mehr.
Großenlüder
Waren noch gegen 15 Uhr die westlichen Zufahrtsstraßen von SS-Soldaten kontrolliert worden, hatte drei Stunden später die Einnahme des Ortes schon begonnen. Am Bahnübergang nach Eichenau traten Bürgermeister A. J. Brähler und Fritz Schönherr den GIs mit weißen Fahnen entgegen und versicherten ihnen gestenreich, dass das Dorf militärfrei sei. Gegen 19.00 übergaben der Bürgermeister und August Schlitzer (Ortslandwirt) auf der Höhe der heutigen Burgpassage quasi ohne eigene Englischkenntnisse das Dorf der Besatzungsmacht. Fast überall war weiß geflaggt. Die verängstigten Menschen saßen in ihren Kellern bei totalem Foto- und Ausgehverbot. Niemand durfte sich an den Fenstern zeigen (in Bad Salzschlirf hatte das einem Neugierigen das Leben gekostet). Aber alles ging gut. Großenlüder überstand den Einmarsch am Ende ohne erwähnenswerte Konsequenzen.
Bimbach und Lütterz
Die Einnahme von Oberbimbach verlief ebenso problemlos. Einzig, ein Sprengstoffzug war in der Schneise an der Oestreichstraße abgestellt worden und ein Jugendlicher starb dort beim Hantieren mit Munition. Auch Unterbimbach und Lütterz wurden reibungslos übergeben, hatten aber beide strategische Bedeutung. Unterbimbach – wie schon erwähnt – für die Belagerung Fuldas und Lütterz als Durchgangsort für die Überquerung der Fulda. Da die SS nämlich die wichtigsten Brücken in Fulda gesprengt hatten, ließ sich die Stadt nur über Horas einnehmen. Hatte die Gauleitung Fulda am Karsamstag noch zur „Festung“ erklärt, musste diese am Ostersonntag schon kapitulieren.
(Quellen: Peter Sagan, verschiedene Artikel zum Thema in den Buchenblättern – Nr. 17, 18, 25 und 26, 2001; Gerhard Dietrich, Recherche zum „Einmarsch der Amis…“ und Nachlass von Helmut Gerg, „Als der Ami kam…“, Museumsarchiv Großenlüder.)

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