Gründonnerstag 45: Anton und die Panzerfaust


Gründonnerstag 45: Anton und die Panzerfaust
– Nach den Erinnerungen von Arthur Schlitzer („Haesse Addur“) –

Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg hatte „Haesse“ Anton im Zweiten Glück gehabt. Schon 1944 war er von seinem Einsatz in Polen nach Hause geschickt worden, um in Großenlüder bzw. später dann in Uffhausen die Leitung der Feuerwehr zu übernehmen. So kam es, dass er am Gründonnerstag 1945 den Ein- bzw. Durchzug der Amerikaner miterleben konnte…
Den ganzen Tag über hatte es schon viel Aufregung gegeben. Niemand wusste, was die nächsten Stunden bringen würden. Eines war aber den meisten klar: Der Krieg war verloren und man durfte die Sieger nicht provozieren. Also warf Anton als Erstes sein Gewehr, das er aus Polen mitgebracht hatte, samt Munition in die Jauchegrube. Dann stellte er für den Notfall in der Scheune Löschwasser bereit.
Die Familie wurde schließlich zu „Näse“ (Fam. Gerk, andere Straßenseite) gebracht, wo sie nach unten zur Lüder hin besser geschützt war. Dann galt es zu warten. Als die Amis schon in der Ferne zu hören waren, schaute Anton zum x-ten Mal die Straße entlang und, was er da sah, ließ ihn erstarren. Schlich doch ein versprengter Wehrmachtssoldat, mit einer Panzerfaust bewaffnet, durch den Ort. Sofort raste Anton aus dem Haus und stellte den jungen Mann zur Rede. Dieser wollte eine günstige Stelle finden, von wo aus er „seinen letzten Panzer“ erledigen könne. Kurzentschlossen zerrte Anton den verzweifelten, fast willenlosen Mann ins Haus und machte ihm klar, was sein Vorhaben für ihn und den ganzen Ort bedeuten würde. Er gab ihm Zivilkleidung und ein weißes Bettlaken mit, so dass er sich jederzeit den Amerikanern stellen konnte (Er tat das tatsächlich und nach kurzer Gefangenschaft wurde er wieder entlassen.) und brachte ihn über den Steg auf die andere Lüderseite, damit er sich im Wald am Finkenberg verstecken konnte. Die Panzerfaust entsorgte Anton noch rechtzeitig im Fluss.
Dann kam alles Gott sei Dank nicht so schlimm, wie man befürchtet hatte. Als sich die Kolonne der Amerikaner noch im „Stop and Go“ durchs Dorf schlängelte, machten sich die Kinder, mit weißen Bettlaken wedelnd, zwischen den Panzern hindurch schon wieder zurück ins Elternhaus. „Wir winkten den Soldaten zu, viele winkten zurück, da war die Stimmung gleich viel gelöster“, erinnert sich Arthur.

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