Großenlüderer Bitterwasser in aller Munde (1) – Nach der Recherche von Gerhard Dietrich –


Großenlüderer Bitterwasser in aller Munde (1)
– Nach der Recherche von Gerhard Dietrich –

Sicher kann man davon ausgehen, dass die frühe und vor allem recht starke Besiedlung unserer Gegend sowohl dem Vorkommen von eisenhaltigem Gestein als auch von Salzquellen geschuldet war. Letztere wurden gar bis ins 17. Jahrhundert hinein zur Salzgewinnung genutzt. Warum man danach aber alles verkommen ließ, Möglichkeiten der Vermarktung des Heilwassers nicht ausschöpfte, geschweige denn die Entwicklung hin zu einem Kurbad – ähnlich dem in Bad Salzschlirf – nicht vorantrieb, lässt sich im Einzelnen nicht mehr nachvollziehen.
Als der Großenlüderer Bürgermeister Henkel jedenfalls 1844 den Antrag stellte, die Salzquelle der früheren Saline und des Gradierwerkes wieder zu öffnen, kam er anscheinend damit zu spät. Dr. Martiny, der Gründer des Heilbades Bad Salzschlirf, hatte eine solche Entwicklung vorausgesehen und sich selbst frühzeitig um die Nutzungs- und Vermarktungsrechte des Bitterwassers von Großenlüder bemüht, fürchtete er doch die Entstehung eines Konkurrenzbades in unmittelbarer Nähe. Somit bekam er 1850 den Zuschlag und der Antrag aus Großenlüder wurde abgelehnt.
Gleichwohl gab es noch lange Gerangel um diese Entscheidung. Entnahmen für den Eigenbedarf der Bürger wurden zunächst stillschweigend geduldet und später vertraglich geregelt. (Erst 1997 konnte die Quelle von der Schlirfer Bade-AG gekauft werden.) Für die Entwicklung des Ortes jedoch war eine riesige Chance vertan worden. Zumindest wurde „unser“ Bitterwasser von vermeintlichen Gesundheitsexperten in den höchsten Tönen gelobt und allerorten angepriesen. Es konnte angeblich gegen unzählige „Zipperlein“ – von Fettsucht über Leberleiden bis hin zu Depressionszuständen, vorrangig jedoch gegen Verstopfung und dabei „ohne unangenehme Neben- und Nachwirkungen“ – eingesetzt werden. Zugegeben, weil es den hohen Herrschaften (Adel, Geldadel, Offizieren etc.) im Schlirfer Kurbetrieb wohl zu bitter war, wurde es z. T. mit deren Heilwasser gemischt. Einzig der erzielte Gewinn kam leider nicht unserem Ort zugute, sondern der Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf.
(Vgl. Herbert Jehn, „Hessisches Bitterwasser…“, Lüdertalbote Nr.28/2001; Hermann Gies, „Naturkunde in Osthessen“ Nr. 46, S. 30ff.)

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