Gefährliche Liebe


Gefährliche Liebe


Wenn in der guten alten Zeit ein junger Mann ein Mädchen aus einem Nachbardorf freien wollte, dann musste er sehr vorsichtig vorgehen. Über die sogenannte „Religionsgrenze“ hinweg war eine solche Liebschaft zum Scheitern verurteilt, konnte doch schon der Tanz mit einem „falschen“ Mädchen in eine Massenschlägerei ausarten. Ansonsten konnte sich der „Freier“ im günstigsten Fall freikaufen – mit einer gehörigen Menge an Freibier für die Burschen des betreffenden Dorfes. Aber so einfach lief es bei weitem nicht immer ab. Vielmehr konnte es selbst zwischen den
jungen Männern aus Müs und Großenlüder zu erbitterten Gefechten um „ihre“ Mädchen kommen…
Kampfplatz war meist der obere Teil des Weinberges am Langenberg. „Bewaffnet“ mit kleinen, flachen Kalksteinen brachte man sich durch gegenseitige Beschimpfungen erst richtig in Wallung. Schließlich flog der erste Stein und, begleitet von wildem Kampfgeschrei, begann das „Gefecht“. Ob der Treffsicherheit der Kämpfer gab es bald auf beiden Seiten blutige Verletzungen zu verzeichnen. Da die Großenlüderer jedoch oft in der Überzahl waren, mussten – trotz tapferer Gegenwehr – die Müser irgendwann das Feld räumen. Mit furchterregendem „Kriegsgeschrei“ wurden sie bis an die ersten Müser Häuser unterhalb des Kalkwerkes Otterbein verfolgt. Hier sollte sich das Blatt indes wenden, denn jetzt griffen verabredungsgemäß ältere Müser Burschen in den Kampf ein – mit dem Ergebnis, dass jetzt die Großenlüderer bis zu ihrem Ortsrand „Fersengeld“ geben mussten. Dort gab es dann einen letzten verbalen Schlagabtausch mit erneuten Beleidigungen und Sprüchen wie: „Ihr lüdische Lombe, säetzt aeich off die Klombe.“ Oder: „In de Mieser Jäellehäecke (Erlenhecken), woasse ville Eichestäecke.“ – Fürs nächste Mal waren damit die Prügel mit Eichenstecken also schon angedroht. Für dieses Mal war der Kleinkrieg um die „Dorfschönen“ aber erst einmal vertagt…
(Quelle: Ferdinand Klitsch, „Dorfgeschichten“ vom 15.03.1974, Archiv Heimatmuseum Großenlüder.)

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