Die „Selbstmörderecke“


Die „Selbstmörderecke“

Es ist weithin bekannt, dass über viele Jahrhunderte hinweg – im Gegensatz zu heute – Selbstmörder im Allgemeinen weder in geheiligter Erde noch mit dem Segen der Kirche begraben wurden. Mit der Verlegung des Friedhofs von der Kirche ans „Heutor“ (erste Bestattung 1742) wurde eine sogenannte „Selbstmörderecke“ eingerichtet, so dass auch die Menschen, die freiwillig oder aus Verzweiflung aus dem Leben geschieden waren, innerhalb der Friedhofsmauern begraben werden konnten.
Dazu muss man wissen, dass die Ecke rechts vom Haupteingang zum „Fuldaer Pfad“ hin (seit dem Zweiten Weltkrieg „Friedenstraße“) früher rechtwinklig angelegt war. Dort wurden Selbstmörder und Selbstmörderinnen (symbolisch) über die Mauer geworfen und dann dahinter in einem kleinen Areal verscharrt. Mit anderen Worten wurden sie nicht sehr tief begraben und das Grab danach sofort dem Erdboden gleichgemacht. Grabschmuck, ein Grabstein oder gar ein Kreuz verboten sich von selbst. Da damals der gesamte Friedhof beweidet wurde, konnten Ziegen und Schafe hier ungestört grasen.
Lange Zeit hatte man übrigens das Gießwasser von weither herbeischleppen müssen, bis am Friedhof endlich eine Zapfstelle eingerichtet werden konnte. Diese befand sich zunächst links vom Eingang, später konnte sie dann nach rechts gelegt werden.
Mit dem Siegeszug des Autos und einem immer stärker werdenden Verkehrsaufkommen, machte es zunehmend Sinn, die Ecke der Friedhofsmauer an der Friedenstraße abzuschrägen, um besseren bzw. früheren Einblick in die Bahnhofstraße zu gewähren. Eine Überquerungshilfe sorgt mittlerweile zudem dafür, dass man hier gefahrlos die Seite wechseln kann. Bei Baggerarbeiten hinter der Abschrägung wurden übrigens tatsächlich noch Gebeine gefunden…
(Quelle: Archivmaterialien des Heimatmuseums Großenlüder – nach der Recherche von Gerhard Dietrich.)

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