Die Schwarzbrenner von Lütterz – oder: „Das sündige Dorf“


Die Schwarzbrenner von Lütterz – oder: „Das sündige Dorf“

In den ersten Jahren nach dem Krieg, als wir „nichts“ hatten und das Geld zusehends an Wert verlor, musste man sich etwas einfallen lassen, wenn man vorankommen wollte oder eine Familie zu ernähren hatte. Schwarzhandel, Schwarzschlachtung und Schwarzbrennerei gab es, der Not geschuldet, deshalb allerorten – natürlich auch in unserer Gegend. Ob man in Lütterz dank seiner „versteckten“ Lage in dieser Zeit mehr riskierte als anderswo, kann man heute nur mehr schwer einschätzen, wenn auch einige Indizien dafürsprechen könnten.
Nun muss man wissen, dass man damals für einen Liter schwarz gebrannten Schnaps etwa 100 Mark erzielte, was also mehr als lukrativ war. Weit interessanter aber war Schnaps als Tauschobjekt. Für die entsprechende Menge an Schwarzgebranntem bekam man quasi alles, zumal der Lütterzer Alkohol in der näheren Umgebung – US-Kaserne inklusive – heiß begehrt war.
Der Artikel „Das sündige Dorf“ der Fuldaer Volkszeitung zerrte jedenfalls mit einem Male die „verborgenen“ Machenschaften des Dörfchens ans Licht der Öffentlichkeit und verlieh dem Ort eine bis dahin nicht gekannte Berühmtheit. Was war geschehen?
Eine größere „Lieferung“ an US-Soldaten hatte dazu geführt, dass die US-Armee dies zur Anzeige brachte und die Polizei daraufhin in einer regelrechten Razzia sage und schreibe „sieben Fälle von Schwarzbrennerei“ in Lütterz aufdeckte. Die wichtigsten Utensilien, Schnaps und Maische wurden auf der Stelle konfisziert und die Täter verhaftet. Haupttäter war übrigens ein Mann aus Bottrop, der seit 1943 im Ort wohnte und die Dorfjugend „angelernt“ hatte. Er wurde auch als einziger zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Man weiß außerdem, dass zwei weitere Männer Geldstrafen von jeweils 1000 Mark erhielten. Am Tag vor der Währungsreform bezahlt, hielt sich ihr Verlust in Grenzen. Somit waren die Lütterzer Schwarzbrenner noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen…
(Quelle: Lorenz Uebelacker, „Lütterz: Dorfchronik und Heimatbuch“, Seite 101.)

Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
Unterstützen Sie uns bitte bei unserer Arbeit! Alte Fotos und Geschichten sind wichtige Zeitzeugnisse.
Stellen Sie deshalb Ihre alten Bilder zur Verfügung und erzählen Sie uns Ihre Geschichte(n)!
Ihr Eigentum bekommen Sie selbstverständlich wieder wohlbehalten zurück.

Kultur,- Heimat- und Geschichtsverein der Gemeinde Großenlüder e.V.
Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, der wende sich bitte an
Thomas Mohr, Tel. 8544, thmohr@online.de, Michael Michel, Tel. 8848
Helmut Völlinger, Tel. 8293, Andreas Ruhl, Tel 620110, andreasruhl@gmx.net

Oder jeden Montag von 10 bis 12 Uhr im Heimatmuseum, Tel. 9110350