Die Heimkehr eines „Fremden“ – Nach den Erinnerungen von Erika Schnell, geb. Sippel –


Die Heimkehr eines „Fremden“
– Nach den Erinnerungen von Erika Schnell, geb. Sippel –

Erika Schnell, Jahrgang 1939, kann sich an vieles nicht mehr genau erinnern. Eine Begebenheit hat sie aber noch in allen Einzelheiten vor Augen – so, als wenn es heute geschehen wäre…
Es hatte an der Haustür geklopft und neugierig, wie sie war, beeilte sie sich nachzuschauen. Sie öffnete die Tür und vor ihr stand ein Soldat in abgerissener Uniform, der sie nach einem kurzen Moment des Musterns ansprach: „Ich bin euer Papa – und wer bist du?“ Erika jedoch glaubte, es besser zu wissen: „Ich senn dr Mama ihr glei Maedchee. Und mein Papa bist du nicht! Der ist nämlich im Krieg.“ Daraufhin antwortete der „Fremde“: „Ich komme aus dem Krieg.“ In diesem Moment erschien Erikas Mutter hinter ihr, stieß einen kleinen Aufschrei aus und konnte gerade noch „Doch, das ist euer Papa.“ herausbringen, als sie auch schon in Ohnmacht gefallen war.
Jetzt galt es natürlich, sich erst einmal um Mutter zu kümmern, bis sie wieder richtig zu sich kam. Als sich die Aufregung etwas gelegt hatte, öffnete der Soldat, also der vermeintliche Vater, seinen Rucksack mit den Worten: „Schaut mal, was ich euch mitgebracht habe. Das habe ich die ganze Zeit gegessen.“ Voller Neugierde wollten sie sehen, was sich in seinem Gepäck befand. – Es waren getrocknete Kartoffelschalen…
Wilhelm Sippel sollte nach seinen Kriegserlebnissen einige Zeit brauchen, bis er sich in seinem Zuhause wieder eingelebt hatte. In der Nachbarschaft fand er bald Arbeit als Stuckateur bei der Firma Von Keitz. Wilhelm starb 1989 nach einem erfüllten Leben im Alter von 83 Jahren.

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