Die Besetzung des „Spatzenhofes“ durch die Amerikaner

Die Besetzung des „Spatzenhofes“ durch die Amerikaner

Der Gründonnerstag 45 brachte für unser Dorf die Wende, von der damals niemand wusste, was sie bringen würde. Die letzten Wehrmachtssoldaten zogen noch durch den Ort, als der Kanonendonner der amerikanischen Batterien vom Vogelsberg her schon zu hören war. Hier und da gab es noch letzte hektische Aktivitäten und dann blieb nur noch banges Warten.
In der Zeit zwischen 18 und 19 Uhr herrschte eine tiefe, unheimliche Stille, die alsbald vom Dröhnen der schweren Panzer abgelöst wurde. Von Uffhausen herkommend, hatten die Amerikaner die z. T. weißbeflaggten Häuser des Spatzenhofes im Nu eingenommen. Widerstand gab es nicht. Schwer bewaffnete GIs trieben die dort verbliebenen (alten) Männer zusammen. Radebrechend und mit vielen Gesten wurde ihnen klargemacht, dass man nach verborgenen Landsern suchte. Andere „Boys“ plünderten solange ihre Häuser – auf der Suche nach versteckten Soldaten, Waffen, aber auch nach Wurst, Schinken, Eiern und „Souvenirs“.
Weil die Amerikaner in der Langenbergkapelle Wehrmachtssoldaten vermuteten, beschossen sie diese mit Leuchtspurgeschossen, was die in Schach gehaltenen Männer zu Stoßgebeten veranlasste, hatten sich dort doch über 40 Frauen und Kinder versteckt. Gott sei Dank gab es keine Verletzte. Danach wurden reihenweise Häuser beschlagnahmt, eine Ausgangssperre wurde verhängt und bewaffnete Patrouillen kontrollierten die Straßen, derweil donnernde Salven amerikanischer Geschosse heulend über das Dorf Richtung Fulda flogen.
Zum Glück stellte sich bald heraus, dass man mit den Besatzern leidlich umgehen konnte, und so trauten sich die Männer des Spatzenhofes am zweiten Osterfeiertag, darum zu bitten, dass die in der Kapelle versteckten Frauen und Kinder zurückkehren durften. Nach einem längeren deutsch-englischen Wortwechsel wurde es ihnen gewährt. Als die meisten GIs nach wenigen Tagen wieder abgezogen waren, mussten viele Familien zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass die Sieger in den Häusern der Besiegten z. T. wie die Vandalen gehaust hatten. Trotzdem war man froh, dass alles so glimpflich abgelaufen war…
(Quelle: F. Klitsch, „Die Besetzung des Spatzenhofes …“, 09.09.1977, Museumsarchiv Großenlüder.)

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