Der verschwundene Berghof


Der verschwundene Berghof

In der vorliegenden Sage handelt es sich um die zweite Großenlüderer Sage mit Bezug zum Ausland, ja sogar nach Übersee. Es geht dabei nämlich u. a. um einen „sagenumwobenen“ Aufenthalt in Amerika – auf den ersten Blick geradezu abwegig. Bedenkt man aber, dass die großen Auswanderungswellen auch an Großenlüder nicht vorbeigingen, erscheint die Verbindung in die Vereinigten Staaten schon plausibler.
Hunger, Elend, Perspektivlosigkeit und schiere Verzweiflung trieben auch unsere Vorfahren in die „neue Welt“, in der Hoffnung, dort eine Chance für eine akzeptable Zukunft ergreifen zu können. Der für unser Dorf wichtigste Auswanderungszeitraum lag übrigens zwischen den Jahren 1835 und 1885. Aus allen Ortsteilen zusammen, kommt man dabei leicht auf mehrere hundert Menschen, die ihr Glück in der Fremde suchen mussten. Setzt man also verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen nach Nordamerika voraus, so wäre auch im 19. Jahrhundert ein „Besuch“ in den noch jungen USA nicht nur theoretisch möglich, sondern auch praktisch durchführbar gewesen. Doch nun zur eigentlichen Sage:
Der „Berghof“ soll oberhalb der Langenbergkapelle in der Nähe einer Quelle, des sog. Einsiedelborns, erbaut worden sein. Mittlerweile ist von dem schönen Gehöft schon lange nichts mehr zu sehen. Weil dem jungen Bauern aus dem Dorf die Mittel für sein Bauvorhaben fehlten, hatte er sich nach Amerika aufgemacht, um dort als Kaplan verkleidet, Geld – wohl bei deutschen Auswanderern – für einen Kapellen- Neubau in der Heimat zu sammeln.
Mit genügend Kapital ausgestattet, konnte er nun problemlos seinen Berghof am Langenberg bauen. Glück scheint ihm sein Frevel wohl doch nicht gebracht zu haben, zumal im Dorf auch bekannt wurde, wie er zu seinem Reichtum gekommen war. Nach seinem Tod glaubten die Leute jedenfalls daran, dass er so lange „umgehen“ musste, bis sein Unrecht gesühnt war. Sozusagen als „Beweis“ dafür gilt das Erlebnis eines verängstigten Mädchens, etwa um 1885 herum, dem eine große Gestalt im Priestergewand mit tief ins Gesicht gezogenem Hut an der Langenbergkapelle erschienen sein soll, als es sich wegen eines Gewitters hatte unterstellen wollen…
(Vgl. dazu Paul Schlitzer (Hrsg.): „Lebendiges Erbe. Sagen aus Rhön und Vogelsberg“, S.138ff.)

Großenlüder in Vergangenheit und Gegenwart
Unterstützen Sie uns bitte bei unserer Arbeit! Alte Fotos und Geschichten sind wichtige Zeitzeugnisse.
Stellen Sie deshalb Ihre alten Bilder zur Verfügung und erzählen Sie uns Ihre Geschichte(n)!
Ihr Eigentum bekommen Sie selbstverständlich wieder wohlbehalten zurück.

Kultur,- Heimat- und Geschichtsverein der Gemeinde Großenlüder e.V.
Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, der wende sich bitte an
Thomas Mohr, Tel. 8544, thmohr@online.de, Michael Michel, Tel. 8848
Helmut Völlinger, Tel. 8293, Andreas Ruhl, Tel 620110, andreasruhl@gmx.net

Oder jeden Montag von 10 bis 12 Uhr im Heimatmuseum, Tel. 9110350