Der „Sensen-Wurf“ – Nach den Erinnerungen von Walter Möller („Backheiches Walter“) –
Heute weiß (fast) jeder mit dem Datum 20. Juli 1944 etwas anzufangen. Jedes Jahr wird nicht nur in den Medien daran erinnert, sondern zahlreiche Bücher und Filme haben das Attentat auf Hitler (Stichworte: Graf von Stauffenberg, Führerhauptquartier Wolfsschanze etc.) thematisiert.
Wie der zehnjährige Walter diesen schicksalhaften Tag erlebte, soll im Folgenden geschildert werden: An dem heißen Julitag sollte der Roggen geerntet werden. Bereits vor der Schule hatte der Junge den Auftrag bekommen, direkt nach dem Unterricht nach Hause zu eilen, um für die Nachmittagspause die an der Kellertreppe kühlgestellte „Matte“ (Quark) und die Butterwecken zu holen und aufs Feld zu bringen.
Nun war der Schultag aber damit beschlossen worden, dass den Schülern ganz aktuell von dem Attentat auf Hitler berichtet worden war. Zugleich hatten sie erfahren, dass „der Führer“ – nur leicht verletzt – überlebt hatte. Somit hatte Walter einen weiteren Grund, sich zu beeilen. Er wollte seiner Familie die Neuigkeiten natürlich so schnell wie möglich erzählen.
Schon von Weitem sah er seine Leute mit der Roggenernte beschäftigt. Leider konnten sie dabei den Grasmäher mit Handablage nicht einsetzen. Also musste Leo, der französische Kriegsgefangene, den Roggen mit der Sense schneiden und die Frauen rafften, banden die Garben und stellten sie zusammen. Jetzt konnte Walter sie wenigstens dadurch entlasten, dass er die Strohseile zum Binden der Garben drehen konnte. Aber vorher stand ja erst noch die Pause an. Deshalb kamen nun alle auf ihn zu und Walter berichtete natürlich sogleich von dem Attentat. In Leos Gesicht zeichnete sich mit einem Mal ein zufriedenes Lächeln ab, das sich aber im nächsten Moment in eine wütende Grimasse verwandeln sollte, als er nämlich mitbekam, dass Hitler überlebt hatte. Laut auf Französisch schimpfend und fluchend, holte er voller Zorn mit der Sense aus und warf sie im hohen Bogen über das Feld. „Ein unglaublicher Wurf. Ein Wunder, dass die Sense nicht zerbrochen war“, erinnert sich Walter. Wenig später setzten sie sich zum Essen nieder, Leo ebenfalls, und alle taten so, als ob nichts passiert sei…
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