Der schwere Anfang vom „Zichiener“


Der schwere Anfang vom „Zichiener“
– Nach den Erinnerungen von Ludwig Nemluvil jun. und Sonja Breuer, geb. Nemluvil –

Ludwig Nemluvil sen., gelernter Bäcker und Konditor, hatte es nie leicht gehabt, auch in Großenlüder nicht. Für Heimatvertriebene gab es eh genug Widerstände zu überwinden, ob seiner dunklen Haut für ihn erst recht.
So hatte man ihm schon bald den Spitznamen „Zichiener“ verpasst. Viele hätten sich deswegen diskriminiert gefühlt. Die entgegengebrachte Ablehnung schien ihn aber nicht zu ärgern, vielmehr war er sogar Stolz auf seinen dunklen Teint. Zurückgezogen und allein auf sich gestellt stürzte er sich in die Arbeit, vielleicht, um es sich und seiner neuen Heimat zu beweisen…
Aus Olmütz (Tschechien) stammend, fand Ludwigs Familie zunächst im Hünfelder Land eine Bleibe. Ende der 40er Jahre verschlug es ihn nach Großenlüder. Bei Kömpels („Kömpel-Schmieds“) kam er unter. Hier lernte er auch seine zukünftige Ehefrau Elisabeth kennen und lieben.
Ludwig fand bald Arbeit in der Ziegelei, ein Glücksfall für ihn, denn er durfte dort auch für den Eigenbedarf Ziegelsteine brennen. Später arbeitete er im Kalkwerk Meister, um schließlich bei der Bahn eine Anstellung zu finden. Schon 1952 kaufte er den einzigen Bauplatz, der ihm je angeboten wurde: fast 4000qm an der Röde. Zu groß für ihn, aber der Bauer gab das Areal „nur ganz oder gar nicht“ her. Die Gemeinde verlangte zudem den Bau eines Brunnens. Bei 12,5m Tiefe war das eine Heidenarbeit. „Sabotage“ seiner Gegner brachte obendrein eine Menge Ärger. So wurde dreimal nachts die Abdeckung des Schachts entfernt und Nemluvil wegen der vermeintlich ungesicherten Baustelle angezeigt. Alle Ausgrabungen mussten übrigens per Hand erledigt werden: Brunnen, Klär- und Baugrube und der Abflussgraben bis zur Straße. Am Finkenberg galt es, Steine zu brechen. Diese und zusätzliches Wasser von der Lüder mussten beigeschafft werden. Natürlich (fast) alles in Eigenleistung.
Im Jahr 1953 hatte man auf dem Grundstück eine Baracke aufgestellt, damit die Familie vor Ort „wohnen“ konnte. Als im Herbst 1957 der Keller fertig war, ermöglichte ein provisorisches Dach, dass man quasi in den Keller umziehen konnte. Erst im Frühjahr 1959 hatte Ludwig die Geldmittel, um sein Bauvorhaben weiterzuführen – bis zu dessen Abschluss im Jahr 1961.

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