Der Grenzstein
Ein Schmied aus Großenlüder hatte einmal bis spät in die Nacht hinein in Bimbach zu tun gehabt. Als der junge Bursche sich endlich auf den Heimweg machen konnte und sich schon in der Nähe des „Strickweges“ befand, schlug es vom Turm der Pfarrkirche gerade zur Mitternacht.
Im nächsten Moment tauchte zu seiner Linken plötzlich eine seltsame Gestalt auf, umgeben von grünlichem Schimmer. Nur das Gesicht des Fremden blieb im Dunkeln. Die Gestalt trug einen schweren Grenzstein auf der Schulter, hielt einen Spaten in der Hand und jammerte etwas Unverständliches vor sich hin. Das mutete den kräftigen und beherzten Handwerksgesellen doch recht unheimlich an. Plötzlich aber konnte er das Gejammer verstehen. „Wo soll ich den Grenzstein nur hinsetzen?“, war jetzt deutlich zu hören. Obwohl es ihm eiskalt über den Rücken lief, gab der Schmied die erstbeste Antwort: „Setze den Grenzstein doch dorthin, wo du ihn weggenommen hast!“ Und die furchterregende Gestalt tat anscheinend genau das. Als sie ihre Arbeit beendet hatte, trat sie mit einem Male näher an den verunsicherten jungen Mann heran, um zu erklären, dass sie zu Lebzeiten den Stein zu ihren Gunsten versetzt hatte und dafür im Fegefeuer hatte büßen müssen. Allerdings hätte sie schon seit 300 Jahren erlöst werden können, wenn ihr nur ein Lebender einmal eine Antwort gegeben hätte. Jedes Jahr sei ihr dazu in einer Novembernacht immer nur ein Versuch gewährt worden, aber alle Lebenden wären zu ängstlich gewesen. Er sei der erste, der geantwortet habe. „Ich danke dir, der Stein sitzt jetzt an der richtigen Stelle!“, schloss die Gestalt ihre Rede, und im Nu war der grünliche Schimmer von einem goldigen Glanz abgelöst worden. Zugleich schaute der junge Schmied „fassungslos in ein klares, edles Antlitz von überirdischer Schönheit.“ Im nächsten Moment jedoch war die Erscheinung für immer verschwunden…
(Paul Schlitzer (Hrsg.): „Lebendiges Erbe. Sagen aus Rhön und Vogelsberg“, S. 137f
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