„De lüdesch Gendarm“


„De lüdesch Gendarm“ oder: Wer den Schaden hat, braucht für Spott nicht zu sorgen

Vor der Ersten Weltkrieg war die Gendarmeriestation von Großenlüder noch für das gesamte Lüdertal bis einschließlich Hosenfeld und Umgebung zuständig. Der Gendarmerieposten von Hainzell war dazu dem Gendarm von Großenlüder, im vorderen Vogelsberg nur „de Lüdesch“ genannt, unterstellt. Während der Hainzeller überall gerne gesehen war, weil er des Öfteren mal ein Auge zudrückte, sah man dessen Respekt einflößenden Vorgesetzten am liebsten nur von hinten. Wenn er mit Pickelhaube, Säbel und wichtigtuerischer Amtsmiene durch die Dörfer ritt, drohte überall Ungemach, denn er kannte keine Nachsicht. Mit aller Härte wurden Recht und Gesetz durchgesetzt.
Kein Wunder also, dass er zunehmend mehr Leute gegen sich aufbrachte, bis er eines Tages an die falschen geriet. Nachdem er nämlich zwei Halbwüchsige in einem Wirtshaus erwischt und angezeigt hatte, sannen diese auf Rache. Und als er wieder einmal nachts über die Dörfer ritt, um die Einhaltung der Polizeistunde zu kontrollieren, sahen sie ihre Chance gekommen. Während er wie üblich eine seiner Gaststätten inspizierte, schmierten ihm die beiden Burschen den Sattel mit frischem Kuhmist ein, um dann von einem Versteck aus voller Schadenfreude zu beobachten wie er sich in den Sattel schwang und davonritt, ohne etwas zu merken. Aus ihrer Sicht also ein voller Erfolg. Erst unterwegs mag ihm der „Geruch“ zu denken gegeben haben. Fest steht aber, dass er seine Tour erst abbrach, nachdem er noch voller Entrüstung in der nächsten Gaststätte aufgetaucht war und wutentbrannt dem ganzen Vogelsberg die Wacht angesagt hatte. Ob des Gestanks und seines „verschmutzten“ Hinterteiles erntete der unbeliebte Wichtigtuer indes nichts als Spott und hämische Lacher. Zu seiner ganz besonderen „Freude“ wollte man es obendrein nicht versäumen, ihn auch noch in Großenlüder der Lächerlichkeit preiszugeben. Während der Faschingszeit soll aus diesem Grund, wenn auch nur für wenige Stunden, ein Plakat am Spritzenhaus geprangert haben – mit eindeutiger Karikatur und folgendem Gedicht:
„Hoch zu Roß der Polizist glaubt, daß er der Größte ist. Er hat, es soll [doch] jeder wissen, kürzlich in die Hosʻ gesch…“
(Frei erzählt nach Hubert Rützel: „Hannes, duck dich där woerft“, Hosenfeld 1994, S. 24 ff.)

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