Das turbulente Kriegsende des Alfred Dietrich
– Nach den Erinnerungen von Barbara Pflug, geb. Dietrich –
Der erst kürzlich verstorbene Alfred Dietrich („Brange“ Alfred) war 1943 im zarten Alter von 17 Jahren noch eingezogen und quasi als „Kanonenfutter“ an die Front geschickt worden. Bei Schneidemühl in Pommern (dem heutigen Pila in Polen), wurde er, im Kampf Auge in Auge mit einem russischen Soldaten, verwundet.
Nach längerem Aufenthalt im Lazarett überstellte man ihn in eine Genesungskompanie nach Aschaffenburg. Um zu vermeiden, noch in den letzten Kriegstagen wieder an die Front geschickt zu werden, beschloss er, mit zwei Kameraden (einer davon aus Hemmen) zu desertieren. Tagsüber versteckten sie sich aus Angst vor Feldjägern und SS in den Wäldern und nachts schlugen sie sich nach und nach Richtung Heimat durch.
Im Wald bei Hemmen trennten sich ihre Wege. Im Schutz der Dunkelheit schlich sich der nunmehr 19-Jährige zu seinem Elternhaus in der Bahnhofstraße und musste feststellen, dass die Amerikaner das Dorf noch besetzt hielten und die elterliche Scheune als Teil der Feldküche nutzten. Also blieb ihm nichts Anderes übrig, als sich im Hühnerhaus zu verstecken. Zur Sicherheit ließ er sich bei nächster Gelegenheit Frauenkleider bringen, und dementsprechend verkleidet gelang es ihm, sich vor den Blicken der Amerikaner zu verbergen.
Sein Freund aus Hemmen hatte übrigens weniger Glück. Von polnischen Zwangsarbeitern verraten, geriet er in amerikanische Gefangenschaft und letzten Endes für lange Zeit nach Frankreich – in ein Kriegsgefangenenlager.
Alfred indes hatte natürlich keine offiziellen Entlassungspapiere. Als das Gros der Amerikaner weitergezogen war, suchte er deshalb – immer noch in Verkleidung – einen ihm bekannten Notar auf und bat diesen um Hilfe. Der Rechtsanwalt entwarf ihm nach langem Zögern, ohne tatsächlich dazu berechtigt gewesen zu sein, ein passendes Schreiben. Nun fehlte nur noch die Unterschrift. Das erledigte Alfred eigenhändig – mit dem Namen des Kommandeurs der Genesungskompanie…
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