„Biskuit“ für die Soldaten

Nach Napoleons verheerender Niederlage in Russland wollte man in Deutschland und anderorts seine Schwäche ausnutzen und sich der französischen Vorherrschaft entledigen. Es kam 1813 zu den sogenannten „Befreiungskriegen“. Das hatte für unsere Gegend zur Folge, dass regelmäßig mit Ärger, Schäden und Unkosten durch Truppenbewegungen und Einquartierungen zu rechnen war.
In dieser Zeit erschien eines Tages ein Lütterzer Bauer in Lüder in der Apotheke und verlangte für sechs Leute „Biskuit“. Der Apotheker konnte damit natürlich nicht dienen. Aber es stellte sich heraus, dass die bei dem Bauern untergebrachten Soldaten ständig „Biskuit“ gefordert hatten. Er wisse nicht einmal, was das sei. Er habe ihnen schon Fleisch, Wurst, Brot, Bier und Schnaps gegeben, aber sie seien mit nichts zufrieden. Leider müsse er jetzt unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, klagte er.
Nun war zufällig der Oberst des Regiments bei dem Apotheker in Quartier. Deshalb notierte dieser sich alles, vor allen Dingen Namen und Hausnummer seines genervten „Kunden“ und erzählte dem Offizier kurz darauf von seiner Begegnung…
Kaum war der Lütterzer wieder zu Hause, da erschien auch schon ein Leutnant samt Korporal und zehn Soldaten vor seinem Haus. Nachdem er sichergestellt hatte, dass die bei dem Bauern einquartierten Soldaten diejenigen waren, die „Biskuit“ verlangt hatten, ließ er diese antreten. Auf seinen Befehl hin mussten sie sich bäuchlings über eine Bank legen und bekamen eine gehörige Tracht Prügel verabreicht. Angesichts dieser Entwicklung meinte der Bauer zu seinen Söhnen: „Etz wesse mer au, bos ‚Biskuit‘ is. Äewer dos häedde mir au hiegegrett.“
(Quelle: L. Uebelacker „Biskuit für die Soldaten“ in: Lorenz Uebelacker, „Lütterz: Dorfchronik und Heimatbuch“, S. 196f.)

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