Aufregung in der Gaststätte Hasenau – Nach der Recherche von Gerhard Dietrich –


Aufregung in der Gaststätte Hasenau
– Nach der Recherche von Gerhard Dietrich –

Wenige Stunden bevor (und nachdem) Bürgermeister A. J. Brähler und August Schlitzer unter Lebensgefahr (von flüchtenden deutschen Landsern wurden sie als „Verräter“ aus der Entfernung beschossen) mit einem hochgehaltenen weißen Betttuch mitten auf der Hauptstraße den einrückenden Amerikanern entgegengingen, spielten sich unweit davon, in der Gaststätte Hasenau, dramatische Szenen ab. Was war geschehen?
Durchziehende Wehrmachtssoldaten hatten zwei junge Verwundete auf provisorischen Tragen bei Hasenauers abgestellt und waren weiter geflüchtet. Else H. versorgte sie, so gut es ging. Aber als Otto H. hörte, dass am Bahnhof ein Sanitätsfahrzeug stand, das Verwundete auf Schleichwegen in ein Lazarett nach Bad Salzschlirf bringen würde, spannte er sein Pferd an und transportierte die Schwerverletzten „auf den letzten Drücker“ mit dem Dungwagen dorthin. Ihn plagten eh große Sorgen, denn sie hatten Anfang des Krieges eine evakuierte Familie aus dem Saarland aufgenommen, deren Mann desertiert war und ebenfalls bei ihnen Unterschlupf gefunden hatte. Für alle Beteiligten eine lebensgefährliche Situation. Otto war froh, dass er wenigstens die Verwundeten hatte loswerden können. Leider konnte er später nicht mehr in Erfahrung bringen, was aus ihnen geworden war.
Aber zu Hause wartete das nächste Unglück auf ihn. In der Zwischenzeit hatten sich GIs nämlich gewaltsam Zutritt zur Gaststätte verschafft und bei der Durchsuchung des Hauses einen blutverschmierten Tornister der Verwundeten entdeckt. Sie nahmen deshalb an, dass sie deutsche Soldaten versteckt hätten. Alles wurde noch einmal durchgekämmt, und Otto und der Saarländer sollten im Hof erschossen werden. Alle waren in heller Aufregung, die Frauen weinten, die Kinder schrien. Zum Glück konnte die Saarländerin etwas Englisch und hatte den Mut, sich in dieser Situation Gehör zu verschaffen. Unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen schaffte sie es, den Soldaten von den Verwundeten zu erzählen und sie davon zu überzeugen, dass keine deutschen Soldaten auf dem Anwesen waren. Ab diesem Zeitpunkt entspannte sich die Situation und die Männer waren gerettet.
Jetzt lief alles so ähnlich ab wie in vielen anderen Haushalten auch. Der Laden wurde geschlossen, der Gastraum zum Lazarett umfunktioniert und das Haus wurde zum Großteil beschlagnahmt. Nur die Saarländerin und ihre Tochter durften bleiben. Aber das war alles zu ertragen…

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