Anton Hillenbrand, fast „legendärer“ Pfarrer und Mensch


Anton Hillenbrand, fast „legendärer“ Pfarrer und Mensch

Als Pfarrer Hillenbrand 72jährig in 1937 starb, hatte er in den fast 26 Jahren seiner Amtszeit in Großenlüder unglaublich viele Spuren hinterlassen. Mit Talenten gesegnet, die sonst für drei Menschen ausreichten, hatte er als Bauherr seine Kirche „rundumerneuert“. Furchtlos hatte er die Pfarrgemeinde durch die Unbilden der Geschichte geführt und vor allen Dingen den Nazis getrotzt, denn was er einmal für abwegig und unmenschlich erkannt hatte, dass musste er einfach bekämpfen. Von seinen Gegnern gefürchtet, galt er gleichzeitig als volksnaher und liebevoller Seelsorger.
In Erziehungsfragen war er ganz Kind seiner Zeit und schreckte damit vor Ohrfeigen als Erziehungsmittel keineswegs zurück. Der Kraftprotz von 1,90 m Länge und über 150 kg Körpergewicht wusste sich zweifellos durchzusetzen. Eben noch unbändig und aufbrausend, konnte er im nächsten Moment jedoch wieder die Hand zur Versöhnung reichen.
Hochgebildet und zugleich handwerklich begabt konnte der Theologe beispielsweise sowohl mit Juristen, Architekten und Kunstkennern als auch mit Handwerkern fachsimpeln. Auch scheute er sich nicht, Hand anzulegen. So soll er Maurern, die sich mit einem 150kg schweren Stein abmühten, den Stein auf dem Rücken in den Pfarrgarten getragen haben.
Er betätigte sich zudem u. a. als Heimatschriftsteller, Komponist, Dichter, Klavier- und Orgelspieler, und sein Gesang soll ein musikalischer Hochgenuss gewesen sein. Darüber hinaus hatte er, bei aller Strenge, die ihm nachgesagt wurde, gleichzeitig einen ausgemachten Sinn für Humor.
Wie anders ließe es sich erklären, dass er eines Tages sechs Messdiener mit einer Schubkarre zu Bürgermeister Möller schickte, um sie einen „Stammbaum“ holen zu lassen. Oder dass er, als er nachts seine Haushälterin Mathilde durch lautes Lachen geweckt hatte, erklärte, er habe im Traum seine Füße gesehen, was ihm wegen seines Bauches seit seiner Kindheit nicht mehr passiert sei…
(Vgl. Ferdinand Klitsch, „Ein Samson unter den Pfarrern …“, 14.12.1967, Museumsarchiv Großenlüder.)

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