Adam Sippel – alias „Polizaei-Adem“
Obwohl Adam Sippel, aus der heutigen Schlitzer Straße, keinerlei Polizeigewalt besaß, drückte sich über seinen Spitznamen „Polizaei-Adem“ der Respekt aus, der ihm das Dorf entgegenbrachte. Einerseits galt er als Original mit „Schalk im Nacken“, andererseits wusste jeder, dass sich in ihm viele gute Eigenschaften vereinten: Fleiß, Intelligenz, Witz, Gewissenhaftigkeit etc. Im Jahr 1862 geboren, sollte der Landwirt und Hausmetzger an der Seite seiner Frau Auguste 75 Jahre alt werden.
In seinem aktiven Leben hatte er noch eine Reihe weiterer Ämter und Aufgaben inne – z. B. Baumpfleger, Flurschütze, Fahnenträger, Vorbeter, Organisator und Leiter von Wallfahrten usw. In erster Linie hat man aber das Bild des Ortsdieners vor Augen, des Mannes an der „Schelle“, der diesem Amt eine natürliche Würde und Autorität verlieh.
Für seinen Ausschelldienst bezog er übrigens ein kleines Gehalt. Private Ausrufe kosteten eine Mark zusätzlich. – Wenn er dienstlich unterwegs war, wurde „Adem“ natürlich ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit zuteil, lief er doch gemessenen Schrittes, oft Kinder im Geleit, die ca. 20 Ausschellpunkte im Ort an. Einzig durch gelegentliche Umtrünke, ließ er sich gerne einmal ablenken. Und so konnte es passieren, dass er am Schluss nicht mehr ganz so flüssig „ausrief“ wie am Anfang. Haltung bewahrte er jedoch immer, wenn er mit weitschallender Stimme Verlautbarungen vorlas.
Allerdings ließ er es dabei – wie es seine Art war – an guten Witzen und Wortspielen nicht fehlen. Überhaupt war für ihn Humor „das Salz in der Suppe“. So konnte es in der Eigenschaft als Vorbeter in der Langenberg-Kapelle schon mal zu folgendem Reim kommen: „Ihr Kehhöerner saeid staell, bo honn ich da mi Braell?“
Auf der Wallfahrt nach Maria Ehrenberg soll er die Gemeinde zum eigenen Spaß einmal dazu gebracht haben, auf sein eingestreutes „Lasset uns beten für die armen Arbeitslosen“ zu antworten: „O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.“ Abschließend sei noch – ebenfalls als Prozessionsleiter – an folgenden Spruch erinnert: „Ihr Liet, mir genn de enger Wäeg, de eöwer Wäeg is voller Dräeg.“
(Quelle: F. Klitsch: „Originale aus dem Fuldaer Land…“, 15.10.1965, Archiv Heimatmuseum.)
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